[134] Neue Hütte im Wimmelburger Goldgrund

Nachnutzung der Hüttensubstanz nach Stilllegung

Der Vergleich des Lageplanes der Hütte aus der Zeit um 1800 mit dem von 1864 vermittelt einen guten Eindruck von der Nachnutzung nach Einstellung der Verhüttung.

Lageplan um 1800
Lageplan um 1864

 

Magazin und Ausgabestelle für Getreide

  • Bereits zu Betriebszeit der Hütte im Jahr 1800 beschloss man die Einrichtung eines Getreidemagazins zur Versorgung von Belegschaftsangehörigen.
  • 1820 werden zwei Korndarren zur Getreideröstung aufgebaut, um das Getreide durch Rösten länger lagerfähig zu machen.
  • Ab 1863 erfolgt die Ausgabe der Rationen auch in Form von Mehl; ab den 90er Jahren auch als Brot
  • 1893 letztmalige Ausgabe von Brot

Faktorei (Materialverwaltung für Hütten und Schächte des Reviers)

Dazu gehörten meistens, wie auch zur Faktorei auf der Neuen Hütte, Werkstätten z. B. zur Selbstanfertigung spezieller Ersatzteile und Vorrichtungen.Auf Grund der in der komplexen Schacht-, Kunst- und Hüttenanlage installierten Maschinen bestand dieses Erfordernis hier schon zu Betriebszeiten in besonderem Maße.

  • 1801 Abriss des alten Zimmerhauses und Einrichtung der Zimmerei auf dem Beschickungsboden des Hüttengebäudes. Die ehemalige Kunstwärterstube wurde Nagelkammer. Die Schmiede verblieb im Maschinenhaus. Räume über dem Maschinenschacht wurden Holzlager.
  • 1808 Fertigstellung eines neuen Holzschuppens, sowie eines neuen Pulvermagazins.
  • 1824 Bau eines neuen, größeren Zimmerschuppens.
  • 1839 wurden im Ottiliae-Schacht bei Helbra Drahtseile eingesetzt, die auf der Neuen Hütte hergestellt wurden.

Bis wann diese Seilproduktion lief bzw. die Faktorei noch betrieben wurde ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass sich ihr Fortbestand ab 1848 mit der Einrichtung einer zentralen Maschinenwerkstatt für alle Mansfeldbetriebe auf der Saigerhütte bei Hettstedt erübrigte.

Die Wohnnutzung

Diesem Zweck dienten Gebäudeteile der Neuen Hütte seit Fertigstellung des Hauptgebäudes 1790, also über 200 Jahre hinweg, bis in die 1990er Jahre - in einem Einzelfall noch darüber hinaus. –

  • Der Südturm des einst symmetrischen Bauwerks wurde ausschließlich für Wohnzwecke erbaut. Hier wohnten, auch über die Betriebszeit der Hütte hinaus, bevorzugt Berg- und Hüttenbeamte. 
    • Nach Stilllegung der Betriebsanlagen wurden kurzzeitig zwei Wohnungen im Nordflügel des Hauptgebäudes eingerichtet und bezogen, die schließlich dem Getreidemagazin weichen mussten.
    • Am 21.02.1865 genehmigte der Königliche Landrat, Herr von Kerßenbrok, die "Einrichtung eines Schlafhauses für entfernt wohnende und unverheiratete Bergarbeiter auf Neue Hütte bei Wimmelburg".
    • Am 21.06.1865 meldete der Oberberg- und Hüttendirektor Ernst Leuschner die "Einrichtung einer Schlafanstalt auf Neue Hütte bei Wimmelburg". Dafür wurde ein Wohngebäude genutzt, das erstmals auf dem Riss von 1864 dargestellt ist. Erster Hausmeister war Fährsteiger Timme.
    • Nach Schließung des Getreidemagazins und zweckentsprechenden Umbauten wurden die verbliebenen Gebäude ab 1914/15 ausschließlich zu Wohnzwecken genutzt.

Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Der historische Hüttenstandort liegt am nordwestlichen Ortsrand Richtung Goldgrund. Er ist gut zu Fuß und auch mit PKW erreichbar. Ein Rastplatz und eine ausführliche Informationstafel laden zum Verweilen ein. Ein Stück des Weges weiter in den Goldgrund hinein erreicht man die Lutherhalde; eine Halde mit Schlackenresten aus der Lutherzeit - vermutlich die Halde einer Hütte, die von Hans Luder (Luthers Vater) betrieben worden ist.

  • Geodaten:
    51.524264,11.495711
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