[098] Bleihütte bei Hettstedt

Zahlen und Fakten

Eine Besonderheit des Mansfelder Kupferschiefererzes ist sein polymetallischer Charakter, insbesondere der hohe Anteil an Blei und Zink, sowie eine Vielzahl an Spurenelementen

Die Großöfen für die Erzverarbeitung, wie sie ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kamen, hatten in ihrem Gefolge im Mansfelder Verhüttungswesen eine neue Verarbeitungslinie, die Flugstaubverarbeitung.

Die höheren Temperaturen in den Öfen und die höheren Winddrücke und Windgeschwindigkeiten führten beim Verschmelzen des polymetallischen Kupferschiefererzes zu einer hohen Verflüchtigung der staubförmigen und leichtflüchtigen Elemente des Erzes und damit auch von Blei und Zink.

Das Bemühen um die energetische Verwertung der Gichtgase und auch umweltrelevante Vorsorge führte zur Abreinigung der Gase und Separation des Flugstaubes in Ofennähe durch Staubkammern und andere Staubabreinigungsanlagen.

Da man, wie anfangs gehandhabt, durch Rückführung der Stäube in den Schmelzprozeß eine Aufschaukelung des Gehaltes an schädlichen Metallen im Kupfer, insbesondere durch Arsen und Antimon, befürchtete, bemühte man sich sehr bald um eine separate Verarbeitung der Stäube.

Auf der Suche nach optimalen Technologien der Verarbeitung dieses komplizierten Vorlaufmaterial wurde von den Mansfelder Metallurgen viel, auch international anerkannte Forschungsarbeit, geleistet. Die Verarbeitung solcher ungünstig zusammengesetzter, zumal staubförmiger Materialien, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der Buntmetallurgie. Nach Jahrzehnte langem Bemühen der Erzschmelzhütten dieses Problem vor Ort und in eigener Regie zu lösen, entschied man sich, 1921 auf dem Gelände der ehemaligen Kupferkammerhütte dieses Problem zentral in Form einer eigenständigen Bleihütte anzugehen.

Der in den Gaswäschen der Rohhütten abgeschiedene Flugschaub wurde dort entwässert und in einem Schwelprozeß der teilweisen Entfernung der Bitumenbestandteile unterzogen.

Dieses als Schwelgut bezeichnete Material wurde in Kannen per Werksbahn auf die Bleihütte in Hettstedt transportiert. Die Zusammensetzung des Schwelgutes bewegte sich im Zeitraum von mehr als 50 Jahren, insbesondere in Abhängigkeit der in die Verarbeitung einbezogenen Abbaufelder im Bergbau und der Zuschlägearbeit in nachfolgenden Grenzen:

  • Blei: 5 – 15%;
  • Zink: 5 – 25%;
  • Kupfer: o,5 – 2%;
  • Silber: 0.o5 – 0,1%;
  • Schwefel: 10 – 17%
  • Antimon: o,5 – 1%;
  • Zinn: 0,5 – 1,5%;
  • Eisen: 1 – 3%;
  • Al2O3 – 3 – 5%;
  • CaO: 3 – 5%;
  • SiO2: 10 – 25%;
  • Bitumen: 1 – 5%;
  • Kohlenstoff: 8 – 12%.

Im Verlauf der Existenz der Bleihütte bis zur Schließung der letzten, dann bereits als Betriebsabteilungen der Kupfer-Silber-Hütte betriebenen Einrichtungen im Jahre 1990 wurden folgende Handels-Produkte erzeugt, die wesentlichen Anteil daran hatten, dass die Verwertung des Mansfelder Kupferschiefererzes ökonomisch sinnvoll war:

  • Orginal–Hütten–Weichblei,
  • Hütten– und Farbzinkoxid,
  • Bleimennige,
  • Zinkvitriol, Zement–Kadmium,
  • Rhenium,
  • Jod,
  • Thallium,
  • Germaniumkonzentrat,
  • Rohsilber,
  • Arsen–Antimon–Produkte

Für die Entwicklung der Technologie zur Gewinnung des Rheniums aus den Fugstäuben wurde Mansfelder Ingenieurwissenschaftlern der Nationalpreis der DDR verliehen.

Schema der Bleihütte - Aus „Die Gewinnung und Verarbeitung des Mansfelder Kupferschiefers“
(schematische Darstellung des Prozesses etwa ab 30er Jahre des 20. Jahrhunderts - Herausgegeben vom VEB Mansfeld Kombinat)

Mehr zu Hüttentechnologien siehe u.a HIER.


Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Das ehemalige Hüttenterritorium in Hettstedt ist teilweise von der Stockhaus- bzw. Fabrikstraße (Querstraßen der B86 in Höhe Bahnhof Hettstedt) einzusehen. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.

  • Geodaten:
    51°37'55.06"N 11°30'26.53"E
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