[021] Hütten im Raum Mansfeld


In der Gegend um Mansfeld befand sich eine Vielzahl alter Hüttenstandorte, von denen beispielhaft das Schicksal der Eckardt-Hütte, der Katharinen-Hütte und der Kreuz-Hütte geschildert ist.



Objektbeschreibung

Die Katharinen-Hütte in Leimbach (Ortsteil der Stadt Mansfeld ) und die Kreuz-Hütte in Leimbach an der heutigen Abzweigung der B242 und der B86 haben bereits vor dem 30-jährigen Krieg ihre Tätigkeit als Erzschmelzhütten aufgenommen.

Während die Katharinen-Hütte ab 1630 über 50 Jahre lang nicht selbst Erz schmolz, sondern als Saigerhütte das Schwarzkupfer der kleineren Hütten des Mansfelder Raums entsilberte, also Vorprodukte kleinerer Hütten des Mansfelder Raums weiterverarbeitete und erst am Ende des 17.Jahrhunderts wieder ihre Tätigkeit als Erzschmelzhütte aufnahm, hat wohl die Kreuz-Hütte die langsame Erneuerung des Berg- und Hüttenwesens nach dem 30-jährigen Krieg mit allen seinen Höhen und Tiefen als als echte Erzschmelzhütte überstanden.

Beginnend im Jahr 1680 ist sie vergrößert und modernisiert worden. Dabei hat die Nutzung des Wassers des Talbaches eine große Rolle gespielt. Ab 1820 musste zu ihrer energetischen Versorgung zusätzlich sogar Wasser von der Wipper herangeführt werden. Das Aussehen der Kreuz-Hütte um 1835 kennen wir heute nur noch aus einem Stich von F. Giebelhausen.

Kreuzhütte bei Leimbach (F. Giebelhausen)

Die Hütte stellte 1872, nach Inbetriebnahme einer neuen Großhütte, ihren Betrieb ein. Von den alten Hüttengebäuden sind heute nur noch wenige Reste vorhanden.

Mit der Ausweitung der Erzförderung im Mansfelder Gebiet zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten die Kapazitäten der vielen kleinen Hütten nicht mehr Schritt halten. Die zusätzlich zu schaffenden Schmelzkapazitäten entstanden zweckmäßigerweise in der Nähe der größeren Schächte, die sich immer weiter in Richtung tiefer gelegener Abbaufelder in die Mansfelder Mulde hinein verlagerten. Die Anwendung der sich in dieser Zeit immer stärker durchsetzenden Dampfkraft gewährleiste eine freie Standortwahl, unabhängig von natürlicher Wasserkraft.

Ein solcher Neubau war die Eckardt-Hütte an der heutigen Straße von Leimbach nach Vatterode. Dieser Standort bot Erweiterungsmöglichkeiten und erlaubte zugleich die Nutzung des Wassers der Wipper als Energiereserve. Mit dem Bau der Hütte wurde 1857 begonnen. Eine teilweise Inbetriebnahme erfolgte bereits 1859.

Wegen des steigenden Bedarfs an Schmelzkapazität reichte die ursprünglich konzipierte Leistung jedoch schon bald nicht mehr aus. Unter Nutzung der im verstärkten Maße zum Einsatz kommenden Dampfkraft wurde deshalb die  Eckardt-Hütte in der Zeit nach 1860 zur ersten echten „Großhütte"  ausgebaut.

Zum Einsatz kamen „Großöfen" mit 20 Tonnen Durchsatz als Tagesleistung. Durch die weitere Modernisierung der Anlagen konnte um 1900 bereits eine Schmelzleistung von 120.000 t Erz im Jahr  erreicht werden.

Während der Existenz dieser ersten Großhütte wurde wichtige Entwicklungsarbeit zur Perfektionierung der Mansfelder Verhüttungstechnologie geleistet. So fällt in diese Zeit der Beginn der großtechnischen Nutzung der Schmelzschlacke für Baumaterialien. Begonnen wurde mit  der Verwendung der Röstgase für die Schwefelsäureproduktion; es entstand eine große Schwefelsäurefabrik. Im Jahre 1908 wurde die Schieferschmelzarbeit eingestellt, da auf neuen Hütten in Eisleben und Helbra genügend Schmelzkapazität zur Verfügung stand und sich die Erzgewinnung nunmehr weg von Mansfeld, südöstlich in tiefere Regionen der Mansfelder Mulde hinein verlagerte. 

Nach Errichtung der Bessemerei in Hettstedt, sie diente der Entfernung von Eisen und Schwefel aus dem Kupferstein, also dem Schmelzprodukt der Erzhütten, wurde im August 1926 auch die Röst- und Spurarbeit eingestellt. Die Gebäude und die technischen Einrichtungen wurden in den folgenden Jahren vollständig abgerissen. Heute erzählt nur die Schlackenhalde an der Strasse Mansfeld - Vatterode von dieser großen Hüttenanlage  aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Auch auf der Katharinen-Hütte wurde etwa 1800 die Erzschmelzarbeit eingestellt. Bis 1900 sind  die Anlagen noch für verschiedene Zwecke genutzt worden. Zum Beispiel  als Poch- und Mahlwerk zur Zerkleinerung des Kupfersteins sowie als Pferdestall und Fuhrpark. Vorhanden ist heute noch ein eindruckvolles Gebäudeensemble aus der Zeit von 1700 bis 1870. Eine Zuordnung des Gebäudes zu einzelnen Prozessen ist jedoch nicht mehr eindeutig möglich.

Eine Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, die solche historischen Hütten zeigt, ist wie folgt beschrieben: "Farbig kolorierte Zeichnung über die Tiefen einiger Schächte zwischen Leimbach und Vatterode zum Zweck der Wasserversorgung der Gottesbelohnungshütte in Großörner. Dargestellt sind die Schlackenhalden der oberen und unteren Rabenhütte, der Kreuzhütte, der Katharinenhütte und eine weitere kleine Halde. Weiterhin die Gebäude der Eckardthütte, der Kreutzhütte mit der Wohnung des Hüttenmeisters der Kreutzhütte sowie der Verlauf des Flusses Wipper in diesem Gebiet. Bezeichnet sind der Weg nach Vatterode, der Hüttengraben, die Wipper und die Flächen der gewerkschaftlichen Äcker. Am linken unteren Rand sind verschiedene Zeichen und Nummern notiert."

Grund-Riss über Niederteufen einiger Schächte zur Untersuchung der wasserführenden Kieslagen im Wipperthale zwischen Leimbach und Vatterode bezügl. einer Wasserversorgung für Großörner, Gottesbelohnungshütte.
Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)

Zahlen und Fakten

Die technischen Anlagen der alten Kupferschieferschmelzhütten (Rohhütten) bestanden im 16. und 17. Jahrhundert aus dem Hüttengebäude mit mehreren Schachtöfen, von denen jeweils die Hälfte in Betrieb war, während die andere Hälfte repariert wurde, ferner aus einer Radstube mit 1 – 2 Wasserrädern, Wasserzu- und Abflussgraben, Kohleschuppen, Ställen und ausreichend Gelände für die Schlackehalde, Schieferbrennplatz und Steinröststadel.

Zur Hütte gehörten weitestgehend auch die Schächte, in denen das Erz gefördert wurde, teils in Kooperation mit anderen Hütten aufgefahren und betrieben.

Vor dem Verschmelzen im Schachtofen war der Schiefer zur Entfernung der organischen Kohlenstoffverbindungen zu „brennen“. Dies geschah in großen 50 – 200t Haufen im Freien. Ein Haufen brannte 6 – 15 Wochen je nach Witterungsbedingungen.

Bedingt durch die schlechte Schmelzbarkeit des Schiefers und die begrenzte Leistungsfähigkeit der Blasebälge war dieses Verschmelzen in den ersten Jahrhunderten nur in so genannten Sumpföfen möglich, deren Konstruktion es gestattete, die zähe Schmelze bei Bedarf ohne Unterbrechung des Betriebes aus den Ofen herauszuziehen.

In den Öfen des 15. und 16. Jahrhunderts floss die Schmelze schon selbständig aus dem „Auge“ in die davor befindlichen Vorherde. Die Schmelze, bestehend aus Schlacke und Kupferstein trennte sich auf Grund ihres spezifischen Gewichtes in den Vorherden. Im Stein fanden sich etwa 90% der mit dem Schiefer vorlaufenden Metallverbindungen (Kupfer, Nickel, Kobalt, Silber und Eisen und eine Reihe seltener Metalle) wieder. Insgesamt sind im Kupferschiefer über 50 Elemente des periodischen Systems enthalten von denen im Verlauf der Nutzungsperiode des Kupferschiefers 23 Elemente gewonnen wurden.

Um das Kupfer selbst zu gewinnen, musste der Kupferstein, im wesentlichem bestehend aus Kupfer, Eisen und Schwefel, geröstet werden. Das geschah in Röstöfen, kleinen Schachtöfen ähnlich. Das fertige Röstgut, eine Mischung aus Kupfer- und Eisenoxiden wurde dann wieder in Schachtöfen reduzierend eingeschmolzen wobei Schwarzkupfer mit einem Kupfergehalt von 95 – 96 % entstand. Schwarzkupfer mit mehr als 0,2% Silber ging zur Entsilberung. Kupfer mit geringeren Gehalten an Silber wurde gleich auf den Rohhütten zu Marktware verarbeitet. Nach dieser Technologie haben auch die Mansfelder Hütten gearbeitet.

Von 1630 bis 1688 hat die Katharinen-Hütte die Funktion einer Saigerhütte übernommen.

Nach der Überwindung der negativen Auswirkungen des 30-jährigen Krieges auf das Berg- und Hüttenwesen im Mansfelder Land kommt es auch auf der Kreuz-Hütte zu einer Konsolidierung und Erneuerung der Produktionsanlagen. Bedingt durch die territoriale Lage der Hütte und nicht ausreichende Wasserversorgung war eine weitere Ausweitung der Produktion nur begrenzt möglich. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Hütte 6 Öfen, von denen immer 4 in Betrieb waren. Mit einem Ofen wurden im Durchschnitt 5 t Erz je Tag geschmolzen.

Mit der Errichtung der neuen Eckardt-Hütte wurden die oben beschriebenen Prozesse in neue Dimensionen umgesetzt. Der neu entwickelte „Eckardthütter Großofen“ war 6 Meter hoch, hatte einen 1,6 m weiten Ofenschacht und setzte etwa 20 t Erz / Tag durch. Das ergab eine Kapazität der Hütte von 30.000 t im Jahr.

Bedingt durch die steigende Erzförderung reichte diese Leistung bald nicht mehr aus, so dass die Kapazität der Hütte bis 1900 auf etwa 120.000 t im Jahr gesteigert wurde. In den Jahren der Existenz dieser ersten Großhütte wurden wichtige Entwicklungen zu Perfektionierung der Mansfelder Verhüttungstechnologie geleistet. So liegt in dieser Zeit, bedingt durch den Anfall größerer Mengen heißer Schlacken, der Beginn der großtechnischen Nutzung der Schmelzschlacke für verschiedene Baumaterialien. Begonnen wurde auch mit der Verwendung der Röstgase für die Schwefelsäureproduktion; es entstand eine große Schwefelsäurefabrik.

Mit den weiter und höher werdenden Öfen rückte auch die die Frage der Koksqualität in den Vordergrund. Im Jahre 1873 erwarb deshalb die Mansfeldschen Kupferschiefer bauende Gewerkschaft im Ruhrgebiet 3 Kokereien, die in der Folgezeit einen auf Mansfeldbedingungen zugeschnittenen Koks gleicher Qualität lieferten.


Zeittafel

[021] Zeitpunkt bzw.  von  bis Ereignis
  1500   Vor 1500 existieren die Katharinen - und die Kreuz-Hütte bereits als Schmelzhütten.
       
  1630 1688 Einsatz der Katharinen-Hütte als Saigerhütte
       
  1680   Ab 1680 Erneuerung und Modernisierung der Kreuz-Hütte
       
  1800   Einstellung der Erzschmelzarbeit auf der  Katharinen-Hütte
       
  1872   Einstellung der Erzschmelzarbeit auf der Kreuz-Hütte
       
  1857   Baubeginn der Eckardt-Hütte
       
  1859   Teilweise Inbetriebnahme der Eckardt-Hütte
       
  1860   Nach 1860 Erweiterung der Eckardt-Hütte zur ersten Mansfelder Großhütte
       
  1862   Beginn der  versuchsweisen  Nutzung der Röstgase zur Schwefelsäureherstellung auf der Eckardt-Hütte 
       
  1885   Anschluss der Hütten im Raum Mansfeld / Leimbach an das das Mansfelder Werksbahnnetz
       
  1908   Einstellung der Erzschmelzarbeit auf der Eckardt-Hütte
       
  1926   Einstellung der Röst - und Spurarbeit  auf der Eckardt-Hütte
       
       

(Letzte Aktualisierung: Januar 2019)

Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Die Standorte dieser historischen Hütten befinden sich in der Gemarkung Leimbach – Stadt Mansfeld.

    Heute sind dort, abgesehen von kümmerlichen Resten der Halden aus den im Verlauf des Verhüttungsprozesses als Abfall entstanden Schlacken, kaum noch Überreste der einst doch recht imposanten Betriebsstätten zu finden. Folgt man, aus Richtung Halle kommend der B80 / B180, findet man in der Ortslage Mansfeld im Bereich der Abzweigung der Bundesstraßen 242 nach rechts und der und B86 nach links, liegen die Standorte der Kreuz- und der Katharinen-Hütte direkt voraus. Von Ihnen ist heute, nachdem die ehemaligen Betriebsstätten zum Teil auch der Wohnbebauung weichen mussten, kaum noch etwas zu sehen. Mehr Glück, solche Überreste in Form einer Schlackenhalde zu entdecken, hat man, wenn man weiter Richtung Vatterode fährt. Rechts der Straße kann man, zum Teil bereits von Vegetation überdeckt, die Halde der ehemaligen Eckhardt-Hütte sehen, die nur andeutungsweise einen Eindruck davon vermitteln kann, welch doch recht gewaltiger Gebäudekomplex hier im 19. Jahrhundert gestanden hat.

  • Geodaten:
    51°36'13.68"N 11°27'5.44"E
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