[097] Dittrichschacht , später Fortschrittschacht II


Schachtanlage östlich der Lutherstadt Eisleben bei Unterrißdorf. Der Schacht wurde 1907 bis 1909 abgeteuft und förderte bis 1960.



Objektbeschreibung

Dittrichschacht (rechts) und Wachlerschacht (links) etwa 1930 (Foto Mansfeld-Museum)

Der ca. 620 m tiefe Dittrichschacht bei Unterrißdorf wurde in den Jahren 1907 bis 1909 abgeteuft. Der Namensgeber des Schachtes, Geheimrat Dr. Rudolph Dittrich, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, war Deputierter der Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft.

Beim Abteufen des Dittrichschachtes traf man auf ein Kaliflöz von ca. 12 m Mächtigkeit. Unter Nutzung der Schachtröhre des Dittrichschachtes wurde deshalb das Kalibergwerk Dittrichshall zur Kaliförderung betrieben. Von den im Jahr 1911 angelegten 195 Mann Belegschaft des Dittrichschachtes waren 98 Mann in der Salzlagerstätte und 97 Mann in der Kupferschieferlagerstätte tätig.

Das gewonnene Kalisalz wurde mittels einer im Jahr 1913 fertig gestellten Drahtseilbahn zur Weiterverarbeitung nach Eisleben transportiert. Diese Drahtseilbahn führte auch über den Wolfschacht, wo ebenfalls Kalisalze gewonnen wurden. Die Kaligewinnung des Dittrichschachtes verband man mit der des Wachlerschachtes, der 1913 auf dem gleichen Gelände geteuft worden ist. Im Jahr 1926 stellte die Mansfeld AG den Kalibergbau vollständig ein. Der Dittrichschacht wurde voll auf die Anforderungen des Kupferschieferbergbaus umgestellt.

Auf Kupferschieferflöz traf man im Dittrichschacht in einer Tiefe von 604 m. Die Schachtröhre hatte einen Durchmesser von 6 m. Sie war in vier Förderabteilungen aufgeteilt. Von den vier Förderabteilungen dienten bis zur Einstellung des Kalibergbaus jeweils zwei zur Kupferschiefererzförderung bzw. zur Kalisalzförderung.

Der Dittrichschacht erlangte in seiner Betriebszeit keine große Bedeutung für Kupferschieferbergbau. Er diente vorwiegend als Förderschacht für einen Teil der im Wolfschacht anfallenden Berge sowie als Wetterschacht.

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die mittels Pferdeförderung vom Wolfschacht kommenden  Bergewagen aus dem Kupferschiefererzabbau sowie aus den Streckenauffahrungen bis auf den oberen Füllort der 8. Sohle befördert, dort in Kaliwagen umgekippt und nach über Tage gefördert. 1936 ersetzte die Lokomotivförderung im Wolfschacht die untertägige Pferdeförderung.

Am 20. Mai 1951 erfolgte die Umbenennung des Dittrichschachtes in Fortschrittschacht II (FO II). Im November 1952 intensivierte man die Produktion auf dem FO II. Zu diesem Zeitpunkt waren 700 Bergleute angelegt, davon 600 Mann Untertage.

Besondere Bedeutung erlangte der FO II als Ausbildungsschacht für Berglehrlinge. Im Jahr 1953 erhielten hier 350 Lehrlinge ihre Ausbildung.

Auf der ursprünglich angelegten Flachhalde entstand in den Jahren 1956/57 eine Höhenfördereranlage (Terra-Koniganlage) zur Schüttung einer Spitzkegelhalde. Das Material der Halde des FO II diente bereits zur DDR-Zeit dem  Braunkohlenwerk Röblingen zur Stabilisierung der Gleise im Tagebau. Die Halde ist heute fast vollständig abgefahren.

Im Grubenfeld des FO II kamen die ersten Geradstrebe in der Geschichte des Mansfelder Kupferschiefererzbergbaus unter Produktionsbedingungen zum Einsatz. In den Jahren 1961-1964 war der FO II Sitz der Abteilung Bergbauforschung des Mansfeld Kombinates. Am Standort liefen wichtige Forschungsarbeiten für die Einführung eines neuen Abbauverfahrens (Schälschrapperstrebbau-SSSB).

Im Dezember 1964 wurde der FO II als Bergwerksanlage stillgelegt. 1964 übernahm das wissenschaftlich-technische Büro des Mansfeld Kombinates das Schachtgelände und nutzte es bis 1967. Die Schule Unterrißdorf nutzte den Kulturraum des Schachtes.

Die Verfüllung der Schachtröhre des FO II erfolgte im Sommer 1968. Nach der im Dezember 1968 vorgenommenen Demontage der beiden Fördermaschinen wurde das Fördergerüst des FO II im Oktober 1971 umgestürzt und verschrottet. Die Gebäude und das Betriebsgelände verkaufte man an bergbaufremde Firmen. Zwischenzeitlich gab es mehrfach einen Eigentümerwechsel.

Straße zum Wachler- und Dittrichschacht (Foto Sauerzapfe)
Gelände des Wachler- und Dittrichschachtes (Foto Sauerzapfe)

Zahlen und Fakten

  • Dittrichschacht hatte eine Gesamtteufe von 621,5 m,
  • das Füllort 8. Sohle befindet sich bei 581m Teufe
  • einen lichten Schachtdurchmesser von 6 m,
  • bei 303,5 m bis 316m Teufe wurde ein bauwürdiges Kalilager durchteuft,
  • bei 604 m Teufe wurde das Kupferschieferflöz erreicht

Der Dittrichschacht hatte Füllörter in folgenden Teufen:

  • bei 321,00 m – für Kalibergbau
  • bei 380,00 m – für Kalibergbau
  • bei 581,00 m – für Kupferschieferbergbau

Die Halde des Dittrichschachtes hatte eine Fläche von 3,45 ha und ein Volumen von 0,8 Mio. m3.


Zeittafel

[097] Zeitpunkt bzw.  von  bis Ereignis
1907 1909 Durchführung der Abteufarbeiten; Gesamtteufe 621,5 m; lichter Schachtdurchmesser 6,0 m
01.1911 195 Mann Belegschaft, davon 98 Mann im Salz und 97 Mann im Kupferschieferbergbau 
19.07.1911 Beginn der Kalisalzförderung
06.1919 Belegschaftsstärke 362 Mann einschließlich 19 Mann Aufsichtspersonal 
01.12.1921 Laugeneinbruch in der Firste 5
1926 1927 Einstellung des Kalibergbaus und Ausbau der Anlagen und Einrichtungen des Kalibergwerkes Dittrichshall
1912 1926 In dieser Zeit traten 262 Unfälle ein, davon 12 tödlich
1927 1939 Förderung von Bergen des Wolfschachtes und Haldenbetrieb 
20.05.1951 Umbennung in Fortschrittschacht II, Betriebsabteilung des Fortschrittschachtes I
01.11.1952 Wiederaufnahme der Bergeförderung, Gesamtbelegschaft 700 Mann, davon 600 Mann unter Tage; Förderung unter Tage mit Dieselloks 
12.11.1952 Es wird die Entscheidung getroffen, zwei Dammtore im Bereich der Kaliabbaustrecken einzubauen.
1953 Ausbildungsschacht für 350 Berglehrlinge, Einsatz von vier Geradstreben unter Produktionsbedingungen
1955 Umstellung der Lokförderung von Diesel- auf Akkuloks
1956 1957 Elektrifizierung der Hauptfördersohle und Einsatz von Fahrdrahtloks, Höhenfördereranlage (Terra-Koniganlage) zur Schüttung einer Spitzkegelhalde wird in Betrieb genommen.
1960 Einstellung der Bergeförderung und Abzug der Berufsausbildung, Belegschaftsstärke nur noch 30 Mann
1961 1964 Der FO II wird Sitz der Abteilung Bergbauforschung des Mansfeld Kombinates
1964 1967 Nach Umsetzung der Forschungsabteilung in das Sangerhäuser Revier übernimmt das Wissenschaftlich-Technische Büro den FO II
08.1968 09.1968 Beginn der Verfüllung der Schachtröhre des FO II; die Kosten dafür beliefen sich auf ca. 95.000 Mark.
12.1968 Demontage der beiden Fördermaschinen
10.1971 Schachtfördergerüst FO II wird umgestürzt und verschrottet 

Literatur

Beiträge im Mansfed-Echo:

(Letzte Aktualisierung: Januar 2019)

Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Der ehemalige Dittrichschacht liegt nördlich der Ortslage Unterrißdorf auf dem Bischofsberg. Die Ortslage Unterrißdorf befindet sich ca. 3 km östlich der Lutherstadt Eisleben. Die zum ehemaligen Schachtgelände auf dem Bischofsberg führende Straße ist für Omnibusse nicht geeignet. Die Entfernung aus der Ortsmitte bis zur Schachtanlage beträgt ca. 1 bis 2 km.

    Die ehemalige Bergwerksanlage enthält keine touristische bzw. montanhistorische Sehenswürdigkeiten. Das Betriebsgelände ist nicht öffentlich zugänglich.

  • Geodaten:
    51°31'18.95"N 11°36'27.00"E
Gelesen 10124 mal

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