[076] Bergbau-Museum "Röhrigschacht" in Wettelrode, Bergbau-Lehrpfad und Kunstteich


Das "ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode" präsentiert mit seiner Ausstellung "Dies und anderes mehr, kommt alles vom Bergbau her." die Geschichte des Kupferschieferbergbaus in der Region. In das 1991 eröffnete Schaubergwerk fahren die Besucher mit einer originalen Schachtförderanlage im Förderkorb 283 m tief in den Schacht ein. Mit einer Grubenbahn geht es dann über 1000 m in ein Abbaufeld des 19. Jahrhunderts, wo anhand von Schauobjekten die Abbauentwicklung von den Anfängen bis zur Neuzeit vorgeführt und erläutert wird. An das Museum schließt sich über Tage ein sehr interessanter Bergbaulehrpfad  an. Am unmittelbaren Ausgehenden des Kupferschieferflözes wurde der Altbergbau durch montanarchäologische Grabungen freigelegt. In 4 bis 5 m tiefen Schächten (Pingen) kann man den Abbau aus den Anfängen des Bergbaus sehen. Ein Wetterofen, der Kunstteich, die Grenzsteine alter Berggrenzen sowie eine offene ovale Schachtröhre in Trockenmauerung gehören zu den Sehenswürdigkeiten dieses gut ausgeschilderten und beschrifteten Lehrpfades. Gegenstück zum Bergwerkmuseum in Wettelrode ist das mehr auf die Historie der Verarbeitung des Kupfers ausgerichtete Mansfeld-Museum in Hettstedt.



Objektbeschreibung

Bergbaumuseum Röhrigschacht in Wettelrode (Foto Sauerzapfe)

Der Röhrigschacht wurde als 1. Schacht im runden Querschnitt im Revier um Sangerhausen im Durchmesser von 4,2 m ab 1871 geteuft und erreichte 1873 bei 162,5 m Teufe im Niveau des Segen-Gottes-Stollns den Kupferschiefer.

1876 vertiefte man ihn im Oberrotliegenden und im Oberkarbon bis zum Niveau 1. Sohle um 122 m auf insgesamt 288 m. Aus dem Füllort in der 1. Sohle wurde über einen Querschlag von ca. 580 m Länge der Kupferschiefer erreicht und die 1. Sohle nach Osten und Westen aufgefahren.

Er besitzt ein Füllort im Niveau des Segen-Gottes-Stollns (163 m Teufe / 143,6 m über NN), der Interim-Sohle (abgeworfen; etwa 196 m Teufe / etwa 111 m über NN) und der 1. Sohle (282,2 m Teufe / +24,4 m NN).

Der Röhrigschacht förderte bis 1885 Kupferschiefer und war dann bis ins 20. Jahrhundert hinein stillgelegt. 1922 begann man mit dem Versuch, den Kupferschieferbergbau im Revier Sangerhausen wieder zu beleben (u.a. Teufen des Barbara-Schachtes bei Pölsfeld). Das war eine kurze Reaktivierungsphase in der vor allem Ausrichtungsarbeiten aber auch geringfügiger Abbau erfolgten. In dieser Phase setzte man auch das heutige Fördergerüst von den Freiesleben-Schächten bei Leimbach (Baujahr 1884) zum Röhrigschacht um. Es ist somit eines der ältesten noch betriebenen stählernen Fördergerüste in Deutschland.

1930 wurde der Schacht erneut bis 1942 stillgelegt, als die Vorbereitung der Teufarbeiten für den Thomas-Münzer-Schacht in Sangerhausen begannen, für den der Röhrigschacht als Flucht- und Wetterschacht vorgesehen war. Die Verhältnisse nach dem Ende des 2. Weltkriegs erforderten erneut eine Pause, so dass erst mit dem Weiterteufen des Schachtes in Sangerhausen 1947 auch hier die bergmännischen Arbeiten fortgesetzt werden konnten. Sie bestanden vordringlich in der Auffahrung einer Verbindung zum Thomas-Münzer-Schacht, die mit dem Durchschlag der von beiden Schächten aus geführten Auffahrungen 1951 zwischen 3. und 4. Sohle hergestellt wurde.

Danach wurde in der 2. Sohle in den Flügeln 1 und 2 der Abbau aufgenommen. Die Förderung erfolgte über den Röhrigschacht. Sie wurde erst 1956 eingestellt.

Der Röhrigschacht diente dann bis zur Einstellung des Kupferschieferabbaus 1990 nur noch als Flucht- und Wetterschacht. Die untertägigen Verbindungen zum Th.-Münzer-Schacht wurden durch Betonpfropfen verschlossen und das tiefer liegende Grubenfeld 1992 geflutet.

Heute ist auf dem Gelände des Röhrigschachtes in den ursprünglichen Betriebsgebäuden und auf ca. 2 ha Freifläche das Bergbaumuseum untergebracht. Der übertägige Teil besteht seit 1987 und zeigt neben Exponaten zur Geologie und Historie des Bergbaus vor allem technische Ausrüstungen.

Dieser Bereich wurde 1991 ergänzt durch einen unter Tage in der 1. Sohle liegenden Bereich, in dem die bergmännischen Tätigkeiten an Hand originaler Geräte und Maschinen in typischem Umfeld anschaulich vorgeführt werden. Dieser Museumsteil wird per Seilfahrt in den 280 m tiefen Schacht und einer ca. 1000 m langen Fahrt mit der Grubenbahn in der 1. Sohle erreicht. Außerdem werden nach Bedarf Führungen in den Altbergbau und zu unter Tage erreichbaren Karstobjekten (Schlotten) angeboten. Das Bergbaumuseum Röhrigschacht untersteht der Bergaufsicht durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt in Halle.

Westlich des Röhrigschachtes ist zu Fuß der unmittelbar am Ausstrich des Kupferschiefers liegende sog. [077] Bergbau-Lehrpfad mit u. a. durch montanarchäologische Grabungen frei gelegten Objekten aus den Anfängen des Bergbaus und dem Kunstteich zu besichtigen.


Zahlen und Fakten 

Der Schacht liegt in unmittelbarer Nähe des ausgehenden Kupferschiefers im Bereich des Zechsteinausstrichs und durchteufte folgendes Profil:

  • bis 4,0 m Teufe Pleistozän
  • bis 88,5 m Teufe Unteren Buntsandstein
  • bis 162,0 m Teufe Zechstein (einschl. Kupferschiefer, kein Steinsalz)
  • bis 295,0 m Teufe Oberrotliegendes und Oberkarbon

Zeittafel

[076] Zeitpunkt bzw.  von  bis Ereignis
  1871   Beginn des Teufens des Röhrigschachtes als Lichtloch auf den Seegen-Gottes-Stolln
       
  1873   Erreichen des Kupferschiefers im Niveau des Seegen-Gottes-Stollns (168 m Teufe)
       
  1876   Erreichen des Niveaus der 1. Sohle bei 288 m Teufe
       
  1885   Einstellung des Abbaus im Sangerhäuser Revier
       
  1922 1930 Erneute bergmännische Arbeiten im Röhrigschacht (Ausrichtung, Abbau)
       
  1942 1945 Erneute Inbetriebnahme des Schachtes im Zusammenhang mit dem Teufen des Th.-Münzer-Schachtes, Stilllegung gegen Ende des 2. Weltkrieges
       
  1946   Erneute Inbetriebnahme zur Herrichtung als Flucht- und Wetter-Schacht
       
  1947   Ausrichtungsarbeiten in Richtung Thomas-Münzer-Schacht
       
  1951   Durchschlag zum Gegenort vom Th.-Münzer-Schacht unterhalb der 3. Sohle
       
  1951   Anhauen der Flügel 1 und 2 in der 2. Sohle
       
  1956   Beendigung der Erz- bzw. Bergeförderung über den Röhrigschacht
       
  1987   Eröffnung des Museums über Tage
       
  1990   Beendigung des Abbaus im Revier Sangerhausen
       
  1991   Eröffnung des Schaubergwerks unter Tage
       
  1992   Flutung der Grubenräume des Schachtes Th. Münzer
       
  1995 2004 Führung des Museums durch einen Museumsverein
       
  2005   Führung des Museums durch die Rosenstadt Sangerhausen GmbH

Literatur

Beiträge im Mansfeld-Echo: 

(Letzte Aktualisierung: Januar 2019)


Bildergalerie

 

 

Seilscheibe in Wettelrode (Foto Sauerzapfe)
Röhrigschacht - ...wenn die Ratte quiekt (Foto Sauerzapfe)
Hinweis auf den Bergbaulehrpfad in Wettelrode (Foto Sauerzapfe)
Im Röhrigschacht - Schema zum Abbau (Foto Sauerzapfe)
Ventilatorrad des Grubenlüfters - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... auf Spurensuche - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Gonnaer Stollen - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Bergbautechnik im Freigelände - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Grubenlok unter Tage - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Transportwagen für Sprengmittel - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Grubenlüfter - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Steuerung des Grubenlüfters - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Schichtenfolge des Gesteins - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Bohrwagen - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Schema des Geradstrebabbaus - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Abbauwerkzeuge - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Abbauschema Plattenband - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Abbauschema Bogenstreb - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Am Füllort - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Häuer bei der Arbeit - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Aufmerksame Besucher - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... zum Abbauort vor Streb - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... unter Tage immer gleiche Temperatur - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Fach- und sachkundige Führung - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Schutz und Segen der schweren Arbeit - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... Fahrt mit der Grubenbahn - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... angekommen in 283m Tiefe - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
... fertig machen zur Einfahrt - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Blick vom Röhrigschacht auf die Halde des Münzer-Schachtes (Foto Sauerzapfe)
Transporttechnik im Freigelände - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Fördergerüst - Röhrigschacht (Foto Sauerzapfe)
Bergbaumuseum Röhrigschacht in Wettelrode (Foto Sauerzapfe)

Weitere Informationen

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