Tour 3 - Eine Wanderung im Bergbaugebiet Wimmelburg


Klaus Foth und Dr. Rudolf Mirsch vom Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V. haben 1996 diese Wanderung zu Relikten des Bergbaus und der Erzverhüttung im Wimmelburger Raum zusammengestellt. Die hier vorgeschlage Tour basiert auf dieser Exkursionsbeschreibung. Navigationshilfen und weitere Informationen ergänzen die ursprüngliche Beschreibung.

 


Detailbeschreibung

Die Geschichte des Dorfes Wimmelburg geht bis ins Jahr 1038 zurück, wo es als Wigmodeburg erstmals erwähnt wird. Die Burganlage soll sich nach Prof. Größler am Friedrichsberg befunden haben. Der Standort der Burg, die später ein Kloster wurde, konnte bis heute jedoch nicht eindeutig bestimmt werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit überdeckt die Schlackenhalde der Krughütte (Karl-Liebklnecht-Hütte) den ursprünglichen Bereich des Klosters. Nach der Verlegung ins Tal entstand eine geschlossene Klosteranlage und etwa ab 1150 eine dreischiffige romanische Klosterkirche. Reste sind vor dem Hintergrund der mächtigen Halden der Otto-Schächte erhalten. Berg- und Hüttenmannsdorf wurde Wimmelburg wohl schon bald nach Beginn der Gewinnung und Verhüttung des Kupferschiefers um das Jahr 1200 im Gebiet südlich des Ortes wo das Flöz zu Tage tritt und im Tal günstige Hüttenstätten gefunden werden konnten. Die Wanderung führt von Standorten einiger bekannter Bergwerksanlagen aus dem 19. Jahrhundert bis zurück in diese Zeit.

Startpunkt - am Center Wimmelburg

Center Wimmelburg (Foto Sauerzapfe)

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist ein leicht über die L 151 erreichbarer Ausgangspunkt  an einem Einkaufszentrum nahe des Ortseinganges von Wimmelburg. Sie führt durch den Ort hindurch bis in den sogenannten Goldgrund. Entlang des Weges finden sich Hinterlassenschaften der Kupfergewinnung in Form  ehemaliger Schächte und Spuren der Erzverhüttung aus der Zeit um 1500.

Zur Navigation können Sie sich über diesen Link die Stationen entlang des Weges in Google Maps anzeigen lassen. Mit Hilfe der App "Maps" lässt sich eine Navigations-Route von Ihrem aktuellen Standpunkt zu diesen Sehenswürdigkeiten ermitteln.

In der nachfolgenden Wegbeschreibung führt die Verlinkung von "Station …“ zur Karte - der Link auf der jeweils nachstehenden Bezeichnung bringt Sie (wenn vorhanden) zum entsprechenden Objekt auf unserer Seite.

Station 1 - [039] Erdmannschacht

Es ist nur eine kurze Wegstrecke vom Eingang des Ortes bis zur Halde des Erdmannschachtes, die zwischen der Schule und dem Sportplatz zu finden ist. Im Juli 1829 begannen die Teufarbeiten. Dieser neue Schacht sollte einen wichtigen Abschnitt der Erschließung tieferer Feldesteile des Schafbreiter Reviers ermöglichen. Die Schwierigkeiten durch Wasserzuflüsse beim Abteufen des Schachtes waren größer als erwartet. Noch im gleichen Jahr entschloss man sich, die Teufarbeiten vorerst einzustellen und den Schacht zur Wasserlösung durch das Abbohren aus untertägigen Grubenbauen zu retten. Nach dieser zwangsweisen Unterbrechung wurde erst im Jahre 1832 die Teufe von 113 m erreicht. Um Wasserzuflüsse aus den Schachtstößen zu verringern, wurde die bis dahin im Bergbau noch wenig bekannte und im Kupferschieferbergbau erstmalig angewendete Picotagezimmerung erprobt. Der Schacht wurde auf den Namen Erdmann, eines Angehörigen des Bergamtes Eisleben und späteren Direktors des Bergamtes Wettin, Anton Erdmann, getauft.

Erdmannschacht in Wimmelburg (Archiv Hauche)

Mit dem Schacht hatte man sich unter das Niveau des für die Wasserabführung zur Verfügung stehenden Froschmühlenstollens begeben und musste sich darauf einrichten, größere Wassermengen aus den tiefer liegenden Abbauen zu heben. Im Verbund mit den Schächten T und W wurde das in der Abbildung nach Aufzeichnungen des Markscheiders Schulze ergänzte System der Wasserhebung wirksam.

Nach der erfolgreichen Anwendung der Dampfkraft im Kupferschieferbergbau wurde auf dem Erdmannschacht im Niveau des Füllortes eine Kesselanlage zum Betrieb einer Dampfpumpe und eines Dampfhaspels zur Förderung im Flachen errichtet. Während sich die auf dem Haspel aufgelegten und an anderer Stelle schon vorher erprobten eisernen Seile bewährten, gab es große Probleme mit der untertägigen Dampferzeugung. Der bei der Kesselfeuerung entstehende Rauch wurde ursprünglich über ein Rohr zum Füllort und von dort in Bretterlutten nach über Tage geleitet. In der kalten Jahreszeit war der Schacht ausziehender Schacht, die Rauchschwaden zogen ab, und der Kessel lieferte ausreichend Dampf. Mit Beginn der warmen Jahreszeit verschlechterten sich die Bedingungen zunehmend. Ein zusätzlicher (dampfbetriebener) Ventilator wurde eingebaut, ohne dass die Probleme gelöst werden konnten. Undichtigkeiten in den Holzlutten brachten im Sommer bei einziehendem Schacht einen Teil der Rauchgase wieder in die Grube zurück und verschlechterten das Klima bis zur Unerträglichkeit.

Schema der Wasserhaltung Erdmannschacht - Froschmühlenstollen (Dr. R. Mirsch)

 

Die Holzlutten im Schacht wurden durch verzinkte Blechlutten ersetzt und der Rauchabzug bis zum Schacht gemauert. Hilfsfeuer zur Erhöhung des Zuges wurden eingerichtet. Nach einer gewissen Zeit wurden aber auch die Zinklutten undicht. Das Zusammentreffen unglücklicher Umstände führte dazu, dass unter diesen schwierigen Umständen ein Teil des Bedienungspersonals Rauchvergiftungen erlitt und nur mit Mühe gerettet werden konnte.
Der Erdmannschacht war mit einem Pferdegöpel ausgerüstet. Eine Zeichnung davon ist auf einem Teller aus dem Nachlass des ehemaligen Landrates Kerßenbrock erhalten. Als besonderes Ereignis verdient der Bruch des Nagels beim Betrieb dieses Göpels bei gleichzeitiger Zerstörung des "Notstachels" Erwähnung. Dadurch schlug die Deichsel durch Abgehen der Fördertonne zurück, wodurch eines der beiden Pferde tödlich verletzt wurde.
Der Schacht selbst nahm ein unerwartetes Ende, als im Frühjahr des Jahres 1865 Wasser der Bösen Sieben in den Schacht strömte und zu seiner Zerstörung führte.

Station 2 - Mansfelder Schlackenpflaster

Wimmelburg Mitteldorf (Foto Sauerzapfe 2018)

Auf einem kleinen Stück des Weges (Mitteldorf) treffen wir, bevor wir die Hauptstraße erreichen, auf das für die Region in der Vergangenheit typische Straßenpflaster aus Mansfelder Schlacke. Noch (2018) nicht von Asphalt bedeckt zeigt es, wie ein Abprodukt der Erzverarbeitung unteranderem auch zur Herstellung von hochverschleißfesten Pflastersteinen verarbeitet worden ist. Unebene Oberflächen - dem heutigen Verkehr nicht angepasstem Unterbau geschuldet - und die glatten Oberflächen haben dafür gesorgt, dass solche Straßenbeläge heute weit gehend verschwunden sind.

Station 3 - [003] W-Schacht

Eingang zum W-Schacht (Foto Sauerzapfe)

 

Nur etwa 250 m südlich vom Erdemannschacht befindet sich der W-Schacht, eine Schachtanlage, die durch die bis in die jüngste Zeit betriebene Pumpstation zur Wasserversorgung von Betrieben und Gemeinden wirksam war. Von hier wurde der am 1. Oktober 1884 in Betrieb genommene und ca. 1000 m³ fassende Wasserbehälter auf dem Friedrichsberg in Eisleben gespeist, nachdem das alte Bassin auf dem Stahlshüttenhof nicht mehr die inzwischen entstandenen höher gelegenen Wohngebiete versorgen konnte. Zusätzlich waren Behälter auf der Halde des in unmittelbarer Nähe gelegenen T-Schachtes, auf dem Windmühlenberg in Wolferode und in Bischofrode zur Versorgung umliegender Gemeinden und Betriebe errichtet worden.

Die Teufarbeiten des W-Schachtes begannen 1811 um eine bis dahin nicht befriedigend geglückte Wasserlösung für den in die Tiefe vordringenden Abbau zu suchen. Im Jahre 1815 wurde bei etwa 112 m und etwa 40 m unter dem Niveau des Froschmühlenstollens das Kupferschieferflöz erreicht. Mittels eines Dampfpumpenbetriebes wurde das Grubenwasser bis zur Inbetriebnahme des tiefer gelegenen Schlüsselstollens (bis etwa 1885) auf Niveau Froschmühlenstollen gehoben.

Lage der Schlotte

Bekannt wurde der Schacht besonders aber auch durch die schon von Erdmenger beschriebene große Schlotte, die später in Aufzeichnungen von Freiesleben (1808) eine beachtenswerte Würdigung erfuhr. Er schrieb u.a.: "Es ist zu bedauern, dass das Interesse des Bergmanns gerade hier nicht erlaubt hat, diesen schönen Höhlenzug in seiner anfänglichen Form offen zu erhalten und noch mehr, dass er nach einer kurzen Reihe von Jahren wahrscheinlich für immer wieder verschlossen und nie wieder zugänglich werden wird." Der Bergbau vermochte nicht, die großen Räume restlos zu verstürzen.

 

 

Viele Bergleute und Besucher haben bis in die jüngste Zeit auf kleinen Flächen, die mit dem offenen Geleucht geschwärzt wurden, Namen und Besuchstag festgehalten. Auch nach dem Anstau des Wassers in der Mansfelder Mulde ist oberhalb des Niveaus des Schlüsselstollens eine Befahrung von Teilen dieser Schlotte noch möglich.

Inschriften in den Schlotten des W-Schachtes (Foto Sauerzapfe)

 

Es steht eine heute im Bergbau schon sehr seltene Bobine zur Verfügung, die einen für zwei Personen ausgelegten und an Seilen geführten Förderkorb betreibt.

Station 4 - [133]  X-Schacht später „Zuversicht“

Hinweistafel an der Halde des X-Schachtes (Foto Sauerzapfe)

Diesen Schacht des Schafbreiter Reviers in Wimmelburg passieren wir auf dem Weg zur Neuen Hütte im Goldgrund. Er ist in den Jahren 1812 bis 1814 angelegt worden.

Der Schacht mit einer Tiefe von 98 m wurde zunächst unter der Bezeichnung X-Schacht angelegt und erhielt 1813 die Bezeichnung „Zuversicht“.

Zur Beherrschung der Wasserzuflüsse (bei ca. 25m und im Zechsteinkalk)  beim Teufen musste der Schacht vom U-Schacht her unterfahren werden.

In einer bei etwa 50m Tiefe angetroffenen Schlotte wurde ein Baumstamm gefunden.

 

 

Die Grube produzierte von 1814 bis 1841 Erz. Die Förderung aus der mit einer Bohlenzimmerung versehenen rechteckigen Schachtröhre (1,57m x 3,00m – zwei Förderschächte und ein Fahrschacht) erfolgte mittels Haspel.

 

Stationen 5.1 und 5.2 - [134]  Neue Hütte im Wimmelburger Goldgrund (und Lichtloch 64 des Froschmühlenstollens)

Ein vom Kultur- und Heimatverein Wimmelburg e.V. am Standort der Neuen Hütte errichteter Rastplatz lädt zum Verweilen ein. Auf der Informationstafel „Wasserkunst und Neue Hütte“ finden wir viele interessante Informationen zur Geschichte der Hütte und der Wasserkunst des Lichtloches 64.

Gebäude der Neuen Hütte und Rastplatz (Foto Sauerzapfe)

Der Bau der Hütte und der Wasserkunst im Lichtloch 64 des Froschmühlenstollens resultiert aus einem 1786 gefassten Beschluss der Mansfeldisch-Eislebischen Gewerkschaften. Die Realisierung erfolgte auf der Grundlage eines Projektes des Freiberger Kunstbaumeisters Johann Friedrich Mende.1790 konnte das erste Hüttenfeuer angeblasen werden. Die Hütte produzierte bis 1801.

Auf der Hütte wurde dafür ein vom Mansfelder Hüttenmeister Ehrenberg entwickelter und 1721 erstmals gebauter Ofentyp eingesetzt. Die "Neue Hütte" bei Wimmelburg ist der einzige Hüttenstandort im Mansfelder Revier auf dem noch Teile dieses Ofentyps vorhanden sind.

Froschmühlenstollen (blau) im Goldgrund Wimmelburg

Da sich die Hütte quasi am Fuß der Halde des Lichtloches 64 des Froschmühlenstollens befindet, bietet es sich an, etwas mehr über dieses untertägige Bauwerk zu erfahren. An der Erdoberfläche finden wir nur Halden, die im Zusammenhang mit dem Anlegen von Lichtlöchern beim Auffahren des Stollens entstanden sind. Die Karte zeigt seinen Verlauf von Klostermansfeld bis zu seinem Mundloch bei Helfta in der Haldenlandschaft Froschmühlenstollen (Lutherstadt Eisleben, in der Helftaer Flur). Sie lässt auch erkennen, dass wir bei unserer Rast hier sozusagen ziemlich genau oberhalb des Stollenverlaufes verweilen.

Station 6 - Über dem [132] Glückauf Stollen

Glückaufstollen (blau) im Goldgrund Wimmelburg

Nur ein kleines Stück des Weges weiter queren wir den Verlauf noch eines wichtigen Stollens des Mansfelder Bergbaureviers, des Glückauf Stollens. Also keine „echte“ Station unserer Wanderung, an der wir wirklich etwas aus der Historie unseres Bergbaureviers sehen können. Durchaus aber einmal mehr ein willkommener Anlass, sich darauf zu besinnen, welche bergbautechnischen Meisterleistungen unsere Altvorderen im Inneren des Berges vollbracht haben!

Station 7 – Halde der Lutherhütten im Goldgrund

Lutherhalde im Goldgrund (Foto Sauerzapfe)

Über den Zaun ist ein unspektakulärer Blick auf die Halde möglich. Eine Aufsteller, der vermutlich früher eine Hinweistafel getragen hat, ist noch zu finden.  

Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, dass Hans Luder neben den Schächten in der Umgebung der Stadt Mansfeld auch auf dem so genannten Eisleber Berg Schächte betrieb (Mitteilung 1/1996). die Verhüttung der Erze erfolgte um 1508 auf den Hütten "vorm Beerbaum" und "vorm Rodichen". Dort sind noch kleine Schlackenhalden zu finden. Die schönen, teils roten und blauen Farben der Schlacken ermöglichen eine zeitliche Zuordnung aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg. Bei blauen Schlacken wurden verbliebene Kupfergehalte von etwa 0,3 %, bei roten Schlacken 0,8 % ermittelt. Analysen der Hüttenschlacke aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ergaben eine Restkupfermenge von etwa 0,2 %.


Weitere Informationen

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