Vogelsang, Dr. Karl (Bergrat)


Bergrat Dr. Karl Vogelsang war 1908-1920 Ober- Berg- und Hüttendirektor


Quelle: MansfeldBand2 und MansfeldBand3

Bergrat Dr. Karl Vogelsang
(MansfeldBand2)

Bergrat Dr. Karl Vogelsang; geboren am 2. August 1866 in Bonn, am 16. März 1920 in Eisleben erschossen. 1908-1920 Ober- Berg- und Hüttendirektor.

Angaben zur Familie: 1897 Heirat mit Annie Schwendler, Tochter des  New  Yorker Kaufmanns Adolf Schwendler u.d. Anna  Schollmeyer. Kinder: Hermann, Kurd und Allice 

Im MansfeldBand3 (Seiten 405 bis 407) wird zum Leben und Wirken von Bergrat Dr. Vogelsang folgendes ausgeführt (Zitat):

Das Grabmal für Karl Vogelsang in der Lutherstadt Eisleben

Auf dem 1877 angelegten Städtischen Friedhof an der Magdeburger Straße liegt das Grab des langjährigen Repräsentanten der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft Karl Vogelsang.

Der Name Karl Vogelsang ist in der Numismatik ein Begriff, besonders dann, wenn von Bergbauprägungen die Rede ist. Auf ihn gehen die Zirkel-Medaille (1913), die bergmännische Jagdmedaille (1913) und das preußische Dreimarkstück von 1915 zurück, das anlässlich der 100jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Mansfeld zum Königreich Preußen geprägt worden ist. Auch an der Gestaltung des Kriegsnotgeldes der Mansfeld'schen Gewerkschaft war er beteiligt. Vogelsangs umfangreiche diesbezügliche Sammlung wurde nach seinem Tode 1925 in Halle/ Saale versteigert. Der entsprechende Auktionskatalog dient noch heute als einschlägiges Standardwerk.

Karl Vogelsang wurde als Sohn des Professors für Geologie und Bergbaukunde Dr. Herrmann Vogelsang am 02. August 1866 in Bonn geboren. Nach Abschluss seines Abiturs trat er 1885 als Bergbeflissener in den Staatsdienst ein. Zunächst arbeitete er praktisch auf Mansfelder Kupferschieferbergwerken, auf Braunkohlenbergwerken in Sachsen und auf Eisenerzbergwerken im Siegerland. Er studierte anschließend in Bonn, an der Bergakademie in Berlin und in Leipzig. 1889 bestand er beim Königlichen Oberbergamt zu Bonn sein Bergreferendar-Examen und promovierte 1890 in Leipzig. Als Bergreferendar war er in vielen Bergbaurevieren tätig.

Er unternahm im Auftrag der Mansfeldschen Gewerkschaft 1890/91 eine fünfmonatige Reise nach Nordamerika zum Studium der Kupferdistrikte am Oberen See, in Montana und Arizona. 1894 bestand er das Assessor-Examen, Eine weitere Reise  führte ihn  nach Australien. Im Auftrage  englischer Gesellschaften begutachtete er die dortigen Goldbergwerkdistrikte. Er nahm nach seiner Rückkehr eine Tätigkeit im Bergrevier Aachen auf. In dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Aufsätze über seine Reisen. Weitere bergmännische Exkursionen führten ihn von Aachen aus nach Schweden und Russland (Ural). 1897 wurde er zur Königlichen Bergwerksdirektion nach Saarbrücken versetzt. Er lässt sich 1899 vom Staatsdienst beurlauben und reiste im Auftrage einer englisch- belgischen Gesellschaft  zum Studium  der bergbaulichen Verhältnisse nach China. Ende 1900 kehrte er nach Deutschland zurück, veröffentlichte seine Erkenntnisse aus China und wurde wie­ der in den Staatsdienst berufen. Er arbeitet in der Königl. Berginspektion Staßfurt und wurde 1901 zum Berginspektor und 1903 zum Bergwerksdirektor ernannt. Im Sommer 1902 brach durch einen Gebirgsschlag im Kalibergwerk Ludwig 2 zu Staßfurt-Leopoldshall ein Abbau aufmehreren hundert Metern ein und begrub eine große Anzahl von Bergleuten. 25 Bergleute fanden den Tod. An der Rettung der Überlebenden aus dem verfallenen und brennenden Schacht war Dr. Kar lVogelsang maßgebend beteiligt. Er leitete mit Umsicht und Tatkraft unter Tage die Rettungs- und Bergungshilfe. Für diesen mutigen Einsatz erhielt er 1902 die "Rettungsmedaille am Bande". 1903 wurde ihm die Direktion bei der Königl. Berginspektion in Bleicherode übertragen. 1906 verließ er den Staatsdienst und übernahm als Generaldirektor die Leitung der Betriebe der Gewerkschaft „Glückauf“ bei Sondershausen. Hier wurde er vom Fürsten zu Schwarzenburg-Sondershausen im Jahre 1907 zum Bergrat ernannt.

1908 trat er in den Dienst der Mansfeld'schen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft und setzte hier die geplante Reorganisation des gesamten Kupferschieferbergbaus und des Hüttenwesens durch. Nach der Schließung der Glückhilf-Schächte 1909 folgte die Einstellung der Förderung der Eduard-Schächte (bis 1910), der Otto-Schächte (bis 1911), der Niewandt-Schächte (bis 1913) und der Freiesleben-Schächte (bis 1913). So mussten die zwischen 1906 und 1910 geteuften Großschachtanlagen auf volle Leistung gebracht werden. Neben den Hüttenbetrieben, welche weitestgehend zentralisiert wurden, galt es auch das im Bau befindliche Kupfer­ und Messingwerk Hettstedt weiter zu entwickeln. Der Kalibergbau (Wachler-Schacht) sollte eine neue Produktionslinie der Gewerkschaft werden. Die Kraftwerke (Zentralen) erfuhren Kapazitätserweiterungen und ein Energie-Verbundnetz wurde geschaffen. Besonderen Wert legte Vogelsang auf die Reorganisation in der Verwaltung und auf Einsparungen im Nebenpersonal. So sank die Belegschaftsstärke der Bergbaubetriebe von 1908 (mit 16.339 Beschäftigten) auf 15.464 Mann im Jahre 1910. Die Minernförderung stieg im gleichen Zeitraum von 642.123 t auf 841.2423 t. (um 31,0%) Dieser hohen Steigerung der Produktion stand aber lediglich ein Zuwachs des Durchschnittslohnes von 3,37 RM auf 3,53 RM (um 4,7%) gegenüber. Von Mitte September 1912 bis Anfang Dezember unternahm Dr. Karl Vogelsang gemeinsam mit dem hüttentechnischen Abteilungsdirektor Franke eine Reise in die Vereinigten Staaten zum Studium dortiger Hüttenanlagen, insbesondere der neuen Wassermantelöfen. Seine unbestritten überbetonte Unterstützung der "Reichstreuen" in der Belegschaft bei gleichzeitiger Unterdrückung der emporstrebenden Sozialdemokratie, die in der Entlassung unbequemer Belegschaftsmitglieder aus politischen Gründen ihren Höhepunkt erreichte, hatte seinem Ansehen im Mansfelder Land Schaden zugefügt.

Mit Ausbruch des Krieges wurde er bereits im August 1914 als Hauptmann eines Landsturm-Bataillons einberufen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Belegschaftsstärke der Gewerkschaft 18.000 Mann und die Kupferproduktion betrug etwa 20.000 t/Jahr. Mit ihm wurden weitere 6.000 Berg- und Hüttenleute zum Kriegsdienst eingezogen. Bei seiner Verabschiedung versicherte er, dass trotz der verringerten Belegschaft die Kupferproduktion auf 16.000 t jährlich gehalten werden könne. Die Deputation der Gewerkschaft war aber der Meinung, dass diese Aufgabe nur mit Dr. Vogelsang erfüllt werden kann und erwirkte zum 01. Mai 1915 seine Entlassung aus dem Kriegsdienst und damit die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit. Er enttäuschte nicht. Für seinen knapp einjährigen Dienst als Hauptmann erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Eine besondere Ehrung erfuhr er durch die Technische Hochschule Aachen, die ihn in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Förderung des deutschen Bergbaus und des Kupferhüttenwesens im Dezember 1915 die Würde eines Dr.-Ing. ehrenhalber verlieh. Dr. Karl Vogelsang hatte sich neben seinem beruflichen und politischen Engagement als Privatperson in besonderem Maße der systematischen Ordnung deutscher Ausbeute-  und Bergwerksmünzen und der Bergbaumedaillen verschrieben. Er besaß wohl die größte Privatsammlung seiner Zeit auf diesem Gebiet.

Lutherstadt Eisleben - Städtischer Friedhof,
Grabstelle für Karl Vogelsang (2008) (MansfeldBand3)

Am Morgen des 16. März 1920 erschienen gegen 3.00 Uhr fünf Männer des Aktionsausschusses (gegen den Kapp-Putsch) zu Eisleben vor der Wohnung des Bergrates Dr. Karl Vogelsang in der Eislebener Vikariatsgasse und verlangten die Auslieferung eines PKW. Dazu waren sie berechtigt, denn die gesamte öffentliche Gewalt im Mansfelder Land war an den Aktionsausschuss übergegangen. Als Dr. Vogelsang von seinen Bediensteten herbeigerufen wurde, hatte er sich mit einem Revolver bewaffnet. Nach den Worten von Dr. Vogelsang: "Was wollen Sie?" fielen sofort mehrere Schüsse, die ihn tödlich trafen. Der Fahrer Schenk und auch ein Mitglied des Aktionsausschusses wurden verletzt. Drei Mitglieder des Aktionsausschusses wurden am 06. Juli vor dem Schwurgericht in Halle verurteilt und erhielten Gefängnisstrafen von zwei Jahren und drei Monate bzw. einem Jahr und einem Monat wegen "schwerer Körperverletzung unter Anwendung von Waffen mit Todesfolge".

Dr. Karl Vogelsang wurde auf dem Friedhof zu Eisleben beigesetzt. Die Deputation der Mansfeld'schen Gewerkschaft ehrte ihn mit der Namensgebung der ehemaligen Werksbahnbrücke über die B180 an der Ober-Hütte zum Wolf-Schacht zur "Vogelsang-Brücke" und mit der Aufstellung eines Grabdenkmals, welches am 12. April 1922 enthüllt wurde: Das aus Mansfelder Kupfer hergestellte Denkmal zeigt auf einem vierseitigen, sich nach oben verjüngenden Sockel, der mit einer bronzenen Gedenkplatte versehen ist, einen von schlagenden Wettern verunglückten Bergmann, der sich im Todeskampf windet: Es dürfte in der Darstellung des Bergmanns auf die Ermordung von Karl Vogelsang anspielen, wie er von den Schüssen tödlich getroffen zusammenbricht. Die Bronzeplatte trägt die Inschrift: "Ihrem verdienten / Ober­ Berg- und Hütten-Direktor/Bergrat Dr. Karl Vogelsang/der von 1908 -1920 hier lebte und wirkte / Die Mansfeldsche/Kupferschiefer bauende/ Gewerkschaft".

(Stand 02/2019)

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