Ist die Wiederbelebung des Kupfererzbergbaus in Deutschland Utopie?

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2. Kupfererzlagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife
2.1 Kenntnisstand zur Lagerstätte bis 2006

Im Gebiet Spremberg, Graustein und Weißwasser erfolgten zwischen 1958 und 1974 Such- und Erkundungsarbeiten hinsichtlich der Kupfer-, Silber-, Blei- und Zinkführung des Kupferschiefers und seines unmittelbaren Liegenden und Hangenden. Mit den geologischen Erkundungsarbeiten konnten auf einer Fläche von 17,4 km² und in einer Teufe von 900 bis 1650 m 98,0 Mill. t Erz mit einem Kupferinhalt von 1,5 Mill. t und einem Silberinhalt von 2.700 t nachgewiesen werden. Der sich im Zechstein aus Sandstein, Kupferschiefer und Mergel aufbauende Erzkörper erreichte Mächtigkeiten von 0,6 bis 8,2 m, im Durchschnitt 2,4 m. Auf der Grundlage der Erzvorratsberechnung von 1974 erfolgte in der DDR 1979 die Investitionsentscheidung für den Aufschluss der Kupfererzlagerstätte. Die Produktions-aufnahme war für 1990 vorgesehen. Ab Mitte der 1990er Jahre sollten mit 4.000 Beschäftigten jährlich aus 3,350 Mill. t Erz 302.000 t Konzentrat mit 42.000 t Kupferinhalt produziert werden. Das Investvolumen wurde mit insgesamt 4,6 Mrd. Mark festgelegt. Im August 1980 wurde aber entschieden, die weiteren Arbeiten an der Vorbereitung dieses Vorhabens einzustellen, da der finanzielle und materielle Aufwand in der DDR nicht zu stemmen war.

Im Jahr 2002 wurde von G. KNITZSCHKE und R. VULPIUS in der Broschüre „Natur und Landschaft in der Niederlausitz“ an die Kupferlagerstätte erinnert (siehe hier). 2006 publizierten und interpretierten dann J. KOPP u. a. wichtige der bis 1980 vorliegenden Erkenntnisse zur Lagerstätte in den „Brandenburgischen geowissenschaftlichen Beiträgen“.

2.2 Ergebnisse der geologischen Erkundung in der Lagerstätte durch die MINERA S.A. von 2007 bis 2013

2007 wurde nach der bergrechtlichen Genehmigung zur Wiederaufnahme der geologischen Erkundung der Kupfererzlagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife durch das amerikanische Bergbauunternehmen MINERA S.A. und des Kupfererzvorkommens Mulkwitz-Weißwasser-Neiße durch den polnischen Bergbaukonzern KGHM S.A. vom Amt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Cottbus und vom sächsischen Oberbergamt Freiberg mit entsprechenden Untersuchungsprogrammen in den Erlaubnisfeldern begonnen. Gleichzeitig wurde als Tochter der MINERA S.A. die Kupferschiefer Lausitz GmbH gegründet.

Kartenbasis: OpenStreetMap

I   (rot)    Kupfererzlagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife (amerikanischer Bergbaukonzern MINERA S.A.)

II  (gelb) Kupfererzvorkommen Mulkwitz-Weißwasser-Neiße (polnischer Bergbaukonzern KGHM POLSKA MIEDZ S.A.)  

Bereits im Oktober 2010 äußerte sich der Geschäftsführer der Kupferschiefer Lausitz GmbH, THOMAS LAUTSCH, zu beabsichtigten Teufarbeiten für zwei Schächte. Frühestens 2012 könnte mit dem Teufen begonnen werden und 2016 würden die Schächte förderfähiges Erz erreicht haben. Die Abbaugenehmigung für das Erz der Lagerstätte war bereits im Mai 2010 vom Amt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Cottbus und Anfang 2011 vom sächsischen Oberbergamt Freiberg erteilt worden.

Wichtige Ergebnisse der Lagerstättenerkundung wurden von C. KOPP, V. SPIETH und T. HÖDING in der Zeitschrift „Glück auf“ (2010) und von T. LAUTSCH, V. SPIETH und S. PEYSA im Fachblatt „World of Mining“ (2011) veröffentlicht. Erwähnenswert ist auch die Pressemeldung in der „Bild am Sonntag“ vom 30.11.2011 über das Auftreten einer Goldader im Erz in 1300 m Tiefe. Die geschätzte Goldmenge in der Gesamtlagerstätte sollte demnach 15 t betragen.

Schließlich wurde 2011 durch die Firma CGS Canada Inc. Geostat ein abschließender Lagerstättenbericht: „Technical Ressource Report Spremberg-Graustein-Schleife“ erstellt. Nach einer neuen Vorratsberechnung sind 130 Mill. t Erz mit 1,9 Mill. t Kupfer, 3.200 t Silber und 16.500 kg Gold in der Lagerstätte enthalten.

Die Vorratserweiterung um 32 Mill. t Erz mit 400.000 t Kupfer und 500 t Silber gegenüber der Vorratsberechnung von 1974 ergibt sich durch Veränderung des für die Vorratsberechnung angesetzten Grenzwertes auf 0,7 % Kupfer.

Insgesamt waren von 2007 bis 2012 alle Informationen über die einzelnen Ergebnisse im Untersuchungsprogramm für die Lagerstätte von Optimismus geprägt. Erste negative Tendenzen hinsichtlich der weiteren Realisierung des Gesamtvorhabens deuteten sich Ende 2012 und Anfang 2013 an, nachdem die MINERA S.A.-Chefin AUDRA WALSH verkündet hatte, dass der Mitarbeiterstab der Kupferschiefer Lausitz GmbH verkleinert werden muss. Als Begründung für diese Maßnahme wurde die zu diesem Zeitpunkt rückläufige Preisentwicklung auf 7.500 Dollar/t Kupfer auf dem Weltmarkt angegeben. Weiterhin wird im März 2013 die Deutsch-Brasilianerin ELKE GROTERHORST neue alleinige Geschäftsführerin der Kupferschiefer Lausitz GmbH. Sie hat auf diesem Posten THOMAS LAUTSCH abgelöst. Während LAUTSCH als Techniker und als Experte im Bergbaubereich gilt, kommt ELKE GROTERHORST aus der Finanzbranche. Sie war seit 2010 als Volkswirtin im Finanzmanagement des Konzerns MINERA S.A. mit Sitz in Washington tätig. Dieser Leitungswechsel weist auf die Notwendigkeit einer Schwerpunktverlagerung in der Arbeitsweise des Betriebes von der technischen auf die finanzielle Seite hin.

GROTERHORST formuliert die betrieblichen Ziele wie folgt: 2017 Beginn des Bergwerkbaus, 2022 Beginn der Erzförderung, 2040 Beginn der Stilllegungsphase und 2050 Zurückziehen der Kupferschiefer Lausitz GmbH aus dem Raum Spremberg.

Die voraussichtlichen Kosten für die bergbauliche Erschließung der Lagerstätte sollen eine Mrd. Euro betragen. Inwieweit Gerüchte von einer kooperativen Zusammenarbeit der Bergbauunternehmen MINERA S.A. und KGHM S.A. eine solide Grundlage haben, wird sich in der Zukunft erweisen.

2.3 Geplante Fortarbeit am Gesamtvorhaben

Am 14.05.2014 hat nun die Muttergesellschaft MINERA S.A. der Kupferschiefer Lausitz GmbH vor dem Hintergrund des auf dem Weltmarkt weiterhin bei 6.500 Dollar/t Kupfer stagnierenden Kupferpreises beschlossen, das Büro der Kupferschiefer Lausitz GmbH in Spremberg im August 2014 zu schließen, das derzeitige Team zu entlassen und die weiteren Planungsarbeiten für das Projekt ab September 2014 in den USA fortzuführen. In einer Pressemitteilung der Kupferschiefer Lausitz GmbH heißt es dazu: „Die Kupferschiefer Lausitz GmbH bleibt als Unternehmen weiter bestehen, ebenso wie das Ziel, in der Lausitz künftig Kupfererz abzubauen. In den USA wird das Team der Muttergesellschaft MINERA S.A. die Ansprache und die Gewinnung potentieller Partner, die Projektfinanzierung sowie die Auswertung aller gewonnenen Daten vorantreiben. Das Kupferprojekt in der Lausitz ist für die MINERA S.A. von hohem Interesse, aber wie bereits 2012 angekündigt, sind für den weiteren Erkenntnisgewinn zur Lagerstätte und zum geplanten Abbau zusätzliche Bohrungen und Feldaktivitäten notwendig. Entscheidend für den Zeitpunkt sind sowohl eine langfristig positive Kupferpreisentwicklung als auch technologische Verbesserungen der Abbaumethoden. Bislang hat die MINERA S.A. etwa 32 Mill. Euro in das Projekt in der Lausitz investiert und zahlreiche Genehmigungs- und Erkundungsmaßnahmen, wie Bohrungen und 3 D-Seismik des tieferen Untergrundes durchgeführt.“

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