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[006] Lapidarium sowie Bergbau- und Hüttendenkmale in Helbra


Auf Initiative und maßgeblich durch die Arbeit der Mitglieder des Helbrarer Heimatverein e.V. sind im Ort Erinnerungsstätten des Bergbaus und der Arbeit der Hütte im Ort entstanden. Besonders bemerkenswert sind ein Bergbaulehrpfad und das Lapidarium (Gesteinsgarten), in dem typische Gesteine aus dem Umfeld der Kupferlagerstätten anschaulich präsentiert werden.



Objektbeschreibung


Das Lapidarium in Helbra (Foto Dammköhler)

Der Helbraer Heimatverein e.V. hat nach 1993 zahlreiche Aktivitäten entwickelt und Vorhaben umgesetzt, um die Geschichte und die Traditionen der alten Berg- und Hüttenarbeitergemeinde Helbra wach zu halten. So entstanden u.a.: 

  • 1995 das Hüttendenkmal unter Verwendung der in der Rohhütte produzierten Schlackensteine 
  • 1997 das Bergbaudenkmal zur Erinnerung an den über Jahrhunderte währenden Bergbau in der Region 
  • 2005 als aufwendigste Schöpfung ein Lapidarium, das die in der Mansfelder Region über und unter Tage angetroffenen Gesteine präsentiert. 

Diese drei und weitere Objekte des Berg- und Hüttenwesens in Helbra verbindet ein Heimat- und Bergbaulehrpfad. Das Lapidarium wurde vom Helbraer Heimatverein unter maßgeblicher Anleitung von Dr. Günter Jankowski gestaltet und am 18.06.2005 anlässlich des 850-jährigen Bestehens der Gemeinde Helbra der Öffentlichkeit übergeben. Es stehen hier nicht Erz- und Kristallstufen im Mittelpunkt, sondern die schon genannten Gesteine aus dem Umfeld der Kupferschieferlagerstätte im Mansfelder Land. Sie werden damit erstmals in dieser Form und in einer regionalen Sammlung in einer Außenanlage und in Ausstellungsräumen präsentiert. In der Außenanlage beginnt der Rundgang beim ältesten hier gefundenen Gestein, einem Quarzit aus dem Paläozoikum, der aus der Metamorphen Zone von Wippra stammt, und führt zu weiteren 26 Gesteinen aus dem Rotliegenden, dem Zechstein und der Trias bis zu Tertiärquarziten und Feuersteinen aus der jüngeren Geschichte der Erde. Ein zentraler Obelisk zeigt in vertikaler Anordnung die beim Teufen der tiefen Schächte der Mansfelder Mulde angetroffenen Gesteine. Heute ist dieser Gesteinsverband im Original in den Gruben nicht mehr und über Tage nur sehr beschränkt zu besichtigen. Auf Schrifttafeln wird deshalb bei allen Exponaten über Gesteinsart, Fundort und Alter informiert. Außerdem sind zur Verbesserung der Anschaulichkeit Gesteinsproben von Halden und aus Bohrungen in Form von Bohrkernen ausgestellt. In den Innenräumen wird das geologische Profil der mit 3001,7 m tiefsten Bohrung südlich des Harzes, der sog. Basisbohrung Querfurt (1965), gezeigt.

geologisches Profil der mit 3001,7 m tiefsten Bohrung südlich des Harzes, der sog. Basisbohrung bei Querfurt (1965)
(für Vergrößerung klicken)

Berg- und hüttenmännische Arbeitsgeräte, Fotos und Mineralien ergänzen die Ausstellung. Im Innenhof, direkt neben dem Lapidarium, werden Produkte des Schmelzprozesses der ehemaligen Rohhütte ausgestellt (Rohstein, Eisensau, Sintermaterial, Formsteine aus Schlacke u. dergl. mehr). Der Hof ist mit unterschiedlichen Schlackensteinformaten gepflastert. Auf die vier großen Stollensysteme, die zur Entwässerung der Grubenfelder dienten, wird hingewiesen.


Hüttendenkmal (Foto Dammköhler)

Vor Lapidarium und Bürgerhaus hat der Helbraer Heimatverein 1995 ein Hüttendenkmal errichtet. Der Obelisk zeigt die Vielfalt der Erzeugnisse, die auf der Rohhütte aus der beim Schmelzen des Erzes anfallenden Schlacke hergestellt wurden, und er erinnert an den über 100 Jahre währenden Betrieb der Kochhütte (August-Bebel-Hütte).


Bergbaudenkmal (Foto Dammköhler)

Nur wenige 100 m entfernt befindet sich in der Schulstraße das Bergbaudenkmal. Dort wird auf mehreren Tafeln auf weitere wichtige Objekte des Bergbaus in Helbra hingewiesen. Das Lapidarium kann auch als Ausgangspunkt des Bergbau- und Heimatlehrpfades genutzt werden. Auf 4 Wanderrouten von jeweils etwa 2 Stunden sind rund 70 Objekte des Berg- und Hüttenwesens und der Heimatkunde erfasst, Schautafeln informieren über die Objekte. Broschüren zum Lapidarium und zum Lehrpfad vertrieb der Helbraer Heimatverein. Der Helbraer Heimatverein hat sich aufgrund seiner Überalterung zum Jahresende 2016 aufgelöst. Sein erfolgreiches Wirken wird nun vom Förderverein Schmid-Schacht Helbra e.V. fortgeführt. Dieser betreut auch das Haus der Geschichte, den Standort des Lapidariums.


Zahlen und Fakten

Im Lapidarium sind folgende Gesteine zu besichtigen (siehe Lageplan): 

  Wippraer Zone / Devon 
 
  • 1. Quarzit 
  • 2. Ottrelith 
  • 3. Karpholithschiefer 
  • 4. Grünschiefer 
  • 5. Roteisenerze 
  Karbon 
 
  • 12. Versteinertes Holz (Wettin) 
  Rotliegendes
 
  • 13.Versteinertes Holz (Annarode) 
  • 6.Siebigeröder Sandstein 
  • 7. Porphyrkonglomerat 
  • 8. Melaphyr 
  • 9. Sandsteinschiefer 
  Zechstein
 
  • 10. Weißliegendes 
  • 18. Weißliegendes (Dünensandstein) 
  • 11. Zechsteinkonglomerat 
  • 14. Kupferschiefer 
  • 15. Zechsteinkalk (Bandkalkzone) 
  • 16. Zechsteinkalk (Fäule
  • 27. Zechsteinkalk (Porenkalk) 
  • 17. Werra-Anhydrit 
  Buntsandstein 
 
  • 19. bunter Sandstein 
  • 20. Rogenstein 
  • 21. Sandstein (Bösenburg) 
  Tertiär 
 
  • 26. Quarzit (Leberstein) 
  Holozän 
 
  • 23. Nordisches Geschiebe 
  • 24. Nordisches Geschiebe 
  • 25. Feuerstein
  Z = Zentrale Gesteinssäule
   
Lapidarium - Lageplan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herkunftsorte der Gesteine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zeittafel

[006] Zeitpunkt bzw.  von  bis Ereignis
       
  18.11.1995   Einweihung des Hüttendenkmals
       
  26.07.1997   Einweihung des Bergbaudenkmals 
       
  1997 2001 Einrichtung eines Bergbau- und Heimatlehrpfades
       
  18.06.2005   Einweihung des Lapidariums zur 850-Jahrfeier des Ortes Helbra

(Letzte Aktualisierung Aug. 2018) 


Bildergalerie

 

 

 

 

 

Lapidarium Helbra - Herkunftsorte der Exponate
Lageplan des Lapidariums in Helbra
Hinweistafel auf das Hüttendenkmal in Helbra (Foto Dammköhler)
Im Lapidarim Helbra: Quarzit (Foto Dammköhler)
Im Lapidarium Helbra: Ottrelith (Foto Dammköhler)
Schichtenprofil
Das Lapidarium in Helbra (Foto Dammköhler)
Das Hüttendenkmal in Helbra (Foto Dammköhler)
Das Bergbaudenkmal in Helbra (Foto Dammköhler)

Weitere Informationen

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