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Tour 04 - Eine Wanderung zu den Otto-Schächten


Die Tour ist von Dr. Rudolf Mirsch vom Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V. 1997 zusammengestellt. Entlang eines Rundweges sind Relikte des Kupferbergbaus und der Erzverhüttung ebenso wie Bemühungen zur Renaturierung einer Bergbauhalde zu finden. Vom Haldenplateau bietet sich ein guter Ausblick auf umliegende Orte. Der Weg berührt einen durch Auslaugung entstandenen Großerdfall. Der Beitrag ist als Anregung für eigene Planungen gedacht, wobei man sich das eine oder andere Objekt oder interessante Wegpunkte "herauszupicken" und - mit oder ohne unsere Wegvorschläge - aufsuchen kann.

Auf der Plattform "outdooractive" ist nur eine kurze, etwas abgeänderte Teilstrecke der in diesem Beitrag beschriebenen Tour eingestellt (siehe Bild oben). Die Karte der Gesamtstrecke finden Sie auf Google Maps.



VORBEMERKUNGEN ZUR TOURENPLANUNG UND STRECKENWAHL


Die vorgestellte Tour verbindet Relikte aus der Mansfelder Berg- und Hüttengeschichte mit geologischen Sehenswürdigkeiten in einer eindrucksvollen Landschaft mit einer typischen Pflanzenwelt. Gerade letztere sollte für einen potenziellen Besucher von besonderem Interesse sein: Karl Hebener (1891 - 1985) bepflanzte erfolgreich in mühevoller Arbeit im Jahre 1937 Teile der Halde der Otto-Schächte und zeigte, dass auch die kargen Abraumhalden des Mansfelder Kupferbergbaus renaturierbar sein können. Ein großer Teil des beschriebenen Wanderweges trägt heute seinen Namen.


Die Gesamtstrecke von rund 7 km beinhaltet zum Teil schwieriges Gelände, das einige Anforderungen an den Besucher stellt. Hinzu kommt, dass die ehemals vorhandene Beschilderung nur noch teilweise erhalten ist und nicht mehr alle Wegabschnitte in Ordnung gehalten werden. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, die auf einer Ausarbeitung von Dr. Mirsch aus dem Jahr 1997 aufbauende Tour an die heutigen (2018) Verhältnisse vor Ort anzupassen und in Teilstrecken zu gliedern. Im Vorspann zu jeder dieser Teilstrecken wird auf deren Besonderheiten eingegangen und es werden, wenn sinnvoll, alternative Wegelösungen vorgeschlagen. Für den kompletten Rundweg sollte man eine Zeit von etwa 2,5 bis 3 Stunden ... und gutes Wetter sowie ausreichende Kondition einplanen!

Der von uns gewählte Start- und Endpunkt in Eisleben ist nicht zwingend. Soweit es die Wegeverhältnisse zulassen, können generell eigene Wege zu den im Tourverlauf besuchten Objekten gewählt werden, Wie auf der Karte zu sehen ist, bieten sich insbesondere für unsere Teilstrecke 7 ab "Kuckucksbaum" solche Alternativrouten an. Ebenso kann man eigene "Einstiegspunkte" in die Wanderung wählen, oder sich nur für Teilstrecken entscheiden. Der 1997 in der ursprünglichen Wanderung gewählte Startpunkt am (ehemaligen) Bergbaukrankenhaus in Eisleben scheidet dabei allerdings aus, Die Brücke am Schlangenweg über die Böse Sieben existiert nicht mehr (2018). 

Letztlich ist das hier Vorgestellte primär als Anregung für eigene Planungen gedacht. Sich selbst das eine oder andere Objekt oder interessante Wegpunkte "herauszupicken" und - mit oder ohne unsere Wegvorschläge - zu besuchen ist auf jeden Fall besser handhabbar, als die komplette Tour "in einem Ritt" bewältigen zu wollen.

Überlegenswert für eine solche verkürzte Wanderung ist es zum Beispiel, am Einkaufcenter in Wimmelburg zu parken, an der Straße Richtung Eisleben das Hüttendenkmal zu besuchen, vor der Millionenbrücke die Fußgängerbrücke über die Böse Sieben zu nutzen und nach Teilstrecke 2 auf der anschließenden Nr. 3 (und ggf. auch noch Nr. 4) das Haldenplateau zu erkunden! Der Link führt zur Karte einer solchen (kurzen) HALDENTOUR Otto-Schacht. Auch auf dieser Karte können die Standorte interessanter Objekte eingeblendet werden.

Eine Entscheidungshilfe bietet die Kartendarstellung auf Google Maps mit ihren verschiedenen Ansicht-Optionen der gesamten Tour durch Auswahl der entsprechend bezeichneten Ebenen. Die Ebene "Objekte" blendet die Standorte von in der Tourenbeschreibung genannten Sehenswürdigkeiten ein. Mit Bildern und Hinweisen versehene sonstige Wegemarken sind den Teilstrecken zugeordnet. (Die verwendeten Pfade sind im September 2018 aufgezeichnet und am Computer nachbearbeitet. Abweichungen vom tatsächlichen Wegverlauf im Gelände sind möglich!)

Die Teilstrecken der Wanderung zu den Otto-Schächten (mit Klick zu Google Maps) - (Kartenbasis: © OpenStreetMap)

Auf Google Maps: Ebene auswählen, die näher betrachtet werden soll. (Im Interesse der Übersichtlichkeit nicht zu viele Ebenen gleichzeitig auswählen!)

Der farblich markierte Text "TEILSTRECKE ..."  in den Abschnitts-Erläuterungen ist auf eine kml-Datei (für Google Earth) verlinkt und zeigt die entsprechende Teilstrecke mit bebilderten Wegpunkten.



TEILSTRECKE 1 - Start in Eisleben -  Karl-Hebener-Weg bis zur Millionenbrücke


Teilstrecke 1 (ca. 1400 m) führt von einer Parkmöglichkeit über eine befestigte Straße und einen gut begebaren Weg zum (ausgeschilderten) Beginn des Karl-Hebener-Weges. Die auf TEILSTRECKE 1 verlinkte Google Earth-Karte zeigt zusätzlich zu unserer Streckenwahl einen alternativen Weg, über den (auch mit einem Fahrzeug) der Anfang des Hebener-Weges ebenfalls erreichbar sein sollte. Wo bei Anreise mit einem Fahrzeug geparkt wird, bleibt jedem selbst überlassen: Wirklich Sehensewertes erwartet uns erst auf dem Hebener-Weg, wer eine bequemere Variante des Starts wählt, verpasst also nichts!

Am Ende unserer ersten Teilstrecke querte früher ein Bahnanschluss der Krughütte an die Reichsbahnstrecke den Hebener-Weg. Die Bahnanbindung überquerte in diesem Bereich die Straße Eisleben - Wimmelburg über die sogenannte Millionenbrücke. Bereits in diesem ersten, gut begehbarem Wegabschnitt muss man (2018) aber durchaus einmal mit einem quer über dem Weg liegenden Baum rechnen. 


Als Ausgangspunkt für unsere Wanderung haben wir die Straße "Am Hohlweg" gewählt. Als Parkmöglichkeit bietet sich der Bereich am Straßendreieck Fritz-Wenck-Straße / Friedensstraße / Am Hohlweg im Bereich der Gaststätte Zur Einheit an. Der ursprünglich bei der Konzipierung der Tour im Jahre 1997 gesetzte Ausgangspunkt am ehemaligen Bergbaukrankenhaus führte über einen kurzen Anmarschweg zum Beginn des Karl-Hebener-Weges. Die dabei passierte Brücke über die Böse Sieben existiert allerdings nicht mehr, deshalb unser neuer Ausgangspunkt. An der Biegung etwa Mitte der Straße "AmHohlweg" führt uns ein Weg Richtung Osten zum Anfang des Karl-Hebener-Weges den wir nach etwa 400 m an der Einmündung des von Rechts kommenden Schlangenweges erreichen.

Der Karl-Hebener-Weg wurde im Jahre 1991 als Naturlehrpfad angelegt . Benannt wurde dieser Weg nach Karl Hebener (1891 - 1985), der in mühevoller Arbeit im Jahre 1937 Teile der Halde der Otto-Schächte bepflanzte. Das Ergebnis seiner Arbeit werden wir im weiteren Verlauf unserer Wanderung sehen. Später folgte die Bepflanzung des unteren Teils der Hüneburg gemeinsam mit Lothar Lauterbach.Wir begegnen der Natur pur erkennen aber auch auf diesem ersten Abschnitt unseres Weges, wo der Mensch mit Pflanzungen, mit Schutzmaßnahmen für die Waldameise und Nistkästen für Vögel aller Art in guter Absicht nachgeholfen hat. Die Vegetation der Halden und des Umfeldes sind Lebensraum für den häufig anzutreffenden Steinschmätzer und den Hausrotschwanz. Aber auch Laubsängerarten, Nachtigall, Goldammer und Neuntöter kommen recht häufig vor. 
Wo sich freie Sicht bietet, sind in nördlicher Richtung die letzten Häuser Eislebens und dann das Gelände der ehemaligen Krughütte (Karl-Liebknecht-Hütte) zu sehen. Inmitten des Gebietes standen ehemals die Segengottesschächte I - III, die 1951 nach Otto Helm (1913 - 1933), einem Opfer der Naziausschreitungen vom Februar 1933, benannt wurden. Hinterlassenschaften beider Objekte – Krughütte und Otto-Schächte - werden wir auf unserem weiteren Weg noch näher betrachten können.

Nachdem wir  rund 800 m auf dem Karl-Hebener-Weg zurückgelegt haben, bietet sich ein kurzer Abstecher zur sogenannten Millionenbrücke über die Straße Eisleben - Wimmelburg an (Teilstrecke 2). Wer darauf verzichtet, bleibt auf dem Hebener-Weg  und folgt derTeilstrecke 3 bis auf das Haldenplateau der Otto-Schächte.


TEILSTRECKE 2 (OPTIONAL) - Abstecher zur Millionenbrücke (und "kurze Haldentour")


Diese Teilstrecke (ca. 200 m -  bis zur Straße) ist optional, Das gilt auch für ihre Weiterführung zum Einkaufscentrum Wimmelburg vorbei am Hüttendenkmal. Wer auf den Abstecher verzichtet, geht am Ende der ersten Teilstrecke "gradeaus" weiter auf dem Hebner-Weg (Teilstrecke 3). Teilstrecke 2 ist ein Pfad neben der ehemaligen Bahntrasse, der bergab in Richtung Straße führt. Im oberen Bereich, wo Gebäudereste der ehemaligen Bahneinrichungen zu sehen sind, findet sich viel Buschwerk; man muss den Weg etwas suchen! Der untere, steilere Abschnitt führt über eine Fußgängerbrücke über die Böse Sieben zur Straße. Von dort hat man gute Sicht auf die Millionenbrücke. Teilstrecke 2 in umgekehrter Richtung bringt uns zur Fortsetzung der Tour zurück auf den Karl-Hebener-Weg.

Eine erweiterte Teilstrecke 2 mit Start am "Center Wimmelburg" - und den Teilstrecken 3 / 4 - ist eine lohnenswerte Option für eine eigenständige Haldenwanderung, in die die Mehrzahl der interessanten Objekte und Aussichtspunkte eingebunden ist!  Der Link zur (kurzen) HALDENTOUR Otto-Schacht -  zeigt eine Karte dieser Strecke . Die Entfernung vom Parkplatz am Einkaufszentrum Wimmelburg in Richtung Eisleben bis zur Fußgängerbrücke über die Böse Sieben beträgt nur etwa 500 m. Die einfache Streckenlänge liegt bei insgesamt ca. 2 km.


Mansfelder kupferschieferbauende Gewerkschaft.
Anschluss der Krughütte an den Bahnhof Eisleben.
Blatt 1 c. Brücke über die "Böse Sieben"
und die Chaussee nach Sangerhausen. - Herkunft/Rechte:
Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)

Am Ende der Teilstrecke 1 erreichen wir ein erstes Relikt der industriellen Hinterlassenschaften. Wir überqueren die Trasse des ehemaligen Reichsbahnanschlusses, der den Bahnhof Eisleben mit der Krug-Hütte verbunden hatte. Im stark verbuschten Gelände ist auf dem Karl-Hebener-Weg die Stelle leicht zu übersehen, an der die rückgebaute Trasse nach rechts in Richtung einer Brücke über die heutige L151 führte. Einige im Gebüsch am Weg liegende verwitterte Holzschwellen der rückgebauten Gleisanlagen markieren etwa die Stelle, wo ein Weg zur Straße beginnt. Folgt man dem teilweise recht steilen, abwärts nach rechts führenden Pfad, gelangt man vorbei an Resten von Gebäuden, die (vermutlich) zur ehemaligen Anschlussbahn gehörten, über eine Fußgängerbrücke über die Böse Sieben zur Straße Eisleben – Wimmelburg.  Von hier bietet sich ein guter Blick auf das nur etwa 50 m in Richtung Eisleben entfernte Brückenbauwerk, das ansonsten auf unserem weiteren Weg, hinter Bewuchs versteckt, nicht sonderlich gut zu sehen sein wird. Über diese - angeblich wegen der Baukosten - sogenannte "Millionenbrücke" wurde die Hütte mit Brennstoffen und notwendigen Materialien versorgt. Das Viadukt über die Straße und die Böse Sieben für die Anschlussbahn Eisleben entstand 1901. Die Brücke hat eine Länge von 55 m und eine Höhe von 15 m. Die Anschlussbahn diente auch der Versorgung der Otto-Schächte.

Wer sich für die kurze Tourvariante mit Start am Center Wimmelburg entschieden hat, sollte sich auf jeden Fall das Hüttendenkmal direkt an der Straße ansehen. Das an die Krughütte erinnernde Denkmal entstand auf Anregung des Vereins Mansfelder Berg- und Hüttenleute e. V. zur Erinnerung an die Inbetriebnahme der Hütte im Jahre 1870. 


TEILSTRECKE 3 - Das Haldenplateau gegenüber der Krughütte


Von der ehemaligen Bahntrasse bis zum Haldenplateau sind es noch etwa 200 m auf dem Hebener-Weg (Länge der gesamten Teilstrecke 3 bis Anfang Teilstrecke 4: ca. 700 m). Teilstrecke 3 ist relativ eben und gut begehbar. Vorsicht auf dem Haltenplateau an der Sturzkante! Zurück vom Haltenplateau folgen wir zunächst für etwa 100 m dem Hebener-Weg, der dann leicht nach links abschwenkt. An dieser Stelle bleiben wir zunächst aber noch für etwa 80 m  auf dem Haltenplateau, bis wir  am Ende der Teilstrecke 3  die Fundamente einer alten Seilbahn erreichen. Wer auf Teilstrecke 4 verzichtet, findet  am Ende der Teilstrecke 3 etwa 50 m weiter links etwas abwärts den Karl-Hebener-Weg wieder. Zurück gehen bis zur Abzweigung muss man nicht,  Der Weg ist nicht zu verfehlen, wenn man sich direkt am Haldenfuß zwischen Halde und Bahndamm bewegt!


Etwa 200 m nach dem Abzweig zur Millionenbrücke können wir - wieder auf dem Hebener-Weg - vom Weg das Haldenplateau der Otto-Schächte betreten. Jenseits der Straße sehen wir nun das Gelände der ehemaligen Krughütte. Von der Arbeit der Hütte zeugt heute eigentlich nur noch die imposante Schlackenhalde. Die schwarze, längst erkaltete, stellenweise noch glänzende Schlacke der Rohhütte wurde glutflüssig auf einer Fläche von etwa 26 Hektar aufgehaldet. Sie lässt ermessen, wieviel Erz seit 1870 in etwa einhundertjähriger Betriebszeit verschmolzen wurde. Dem Betrachter bietet diese Halde heute einen beeindruckenden Anblick. Das Plateau der Schlackenhalde Halden und das  eigentliche ehemalige Betriebsgelände der Hütte sind nach dem Rückbau der meisten Gebäude heute nahezu komplett mit Solarpaneelen bedeckt. Der Solarpark hat eine Leistung von 29 MW.

Unscheinbar dagegen sind die im Mansfelder Land aus der Halbtrocken- und Trockenrasenflora alter Bergbauhalden gut bekannten kleinen weißen Kupferblümchen, denen wir auf unserem Weg nun an vielen Stellen begegnen. Zu beobachten war eine den Gegebenheiten angepasste Pflanzengesellschaft, der Schwermetallrasen, wobei das bereits genannte genannte Kupferblümchen (Minuartia verna ssp. hercynia) als eine botanische Besonderheit zu bewerten ist. Weitere wertvolle Arten sind Hallers Grasnelke, das Kupfer-Leimkraut und verschiedene seltene Orchideenarten die strengen Schutzes bedürfen und in die Rote Liste unseres Landes aufgenommen wurden. Auf Haldengestein sind besonders genügsame Flechten verschiedener Art zu finden.

Vom Haldenplateau bietet sich ein imposanter Rundblick. Die Schlackenhalde der Hütte jenseits der Straße erscheint aus dieser neuen Sicht noch größer zu sein. Kaum bewachsen und wie erstarrte glutflüssige Lava eines Vulkans liegt sie vor uns. Dieser Bereich des Haldenplateaus der Otto-Schächte, erlaubt uns den Blick auf einige interessante Objekte, die sich auch auf unserer Seite wieder finden:

Folgen wir nun wieder dem  Karl-Hebener-Weg, finden wir auch an einigen Stellen die Reste von heute (2018) leider nicht mehr beschrifteten größeren Hinweistafeln. Nur einige der ehemaligen Hinweise und Kennzeichnungsschilder sind noch zu finden und teilweise auch lesbar. So führt uns links neben dem  Weg eine Tafel zum Schachtdeckel des Otto-Schachtes III. 

Die Otto-Schächte, vier an der Zahl, bestehen aus zwei Förderschächten und zwei Wasserhaltungsschächten. Als Otto-Schacht V wird vielfach das letzte Lichtloch des hier endenden Schlüsselstollens bezeichnet. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ging der Bergbau zum Tiefbau über. 

Das Abteufen des Schachtes I begann 1864, wobei bald große Schwierigkeiten durch Wasserzuflüsse auftraten, die nicht beherrscht werden konnten und bei etwa 150 m Schachtteufe zur Einstellung der Arbeiten führten. Auch die Teufarbeiten des in nur etwa 5 m Abstand angesetzten Schachtes II mussten in etwa gleicher Teufenlage wegen großer Wasserzuflüsse aufgegeben werden. Auch der 1878 begonnene Schacht III erlebte das gleiche Schicksal. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war zu erkennen, dass das Wasser ein Hauptproblem der Erschließung tieferer Teile der Lagerstätte wurde.

Der rund 31 km lange Schlüsselstollen wurde 1879 durchschlägig, die Wasserhaltung aus den Tiefbauen wurde darauf umgestellt und entsprechend den Erfordernissen wesentlich erweitert. Wassereinbrüche in den Jahren 1884, 1889, 1890 und 1892 mit der sogenannten "Seekatastrophe", das Auslaufen des Salzigen Sees in die Grubenbaue, führte dazu, dass im Jahre 1893 rund 3,95 Millionen m² des ausgerichteten Abbaufeldes unter Wasser standen und etwa 10 Jahre für die vollständige Sümpfung erforderlich waren.  Auf den Otto-Schächten entstand die größte Wasserhaltung des Kontinents. Allein unter den Kesseln für den Pumpbetrieb der Otto-Schächte wurden 1893 täglich über 84 Tonnen Steinkohle verfeuert. Elektroenergie stand noch nicht zur Verfügung. Es war die Zeit der maximalen Nutzung der Dampfkraft als Energieträger.

Mansfelder kupferschieferbauende Gewerkschaft.
Anschlussgleis der Otto-Schächte u. der Krughütte
an den Bahnhof Eisleben.  Lageplan von km I + 477 bis
km II + 300. Blatt 3 (e?) - Herkunft/Rechte:
Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)

Am Ende der 3. Teilstrecke, wieder rechts auf dem Haldenplateau begegnen wir den Fundamentresten der ca. 700 m langen Seilbahn, die ab 1886 die Otto-Schächte mit der Krughütte verbunden hatte. Die historische Aufnahme von der Millionenbrücke zeigt beim Blick durch die Brückenbogen im Hintergrund auch diese Seilbahn. (Die Oberleitung links im Bild gehört zu einer Elektrische Kleinbahn, die von 1900 bis 1922 Eisleben mit Hettstedt verbunden hat.) Eine im Bestand des Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss befindliche Zeichnung aus dem Jahre 1899 zeigt auch den Verlauf der Seilbahn. Für den Erztransport zur Krughütte waren nach 1870 für einige Jahre Seilbahnen auch von den Martinsschächten und den Herrmannschächten eingerichtet worden. Die Werksbahn brachte später weit größere Erzmengen von den neuen und leistungsfähigeren Großschächten.

Etwa an dieser Stelle führt, links vom Standort der Fundamentreste, der Hebener-Weg weiter.

Auf dem hinteren Teil der Halde der Otto-Schächte - also links unserer dritten Teilstrecke - sehen wir einen Teil der erfolgreichen Bemühungen zur Begrünung des Haldengeländes durch Karl Hebener. Etwa 1.000 dreijährige Rosensämlinge, Brombeere, Holunder, Linguster und andere wenig anspruchsvolle Pflanzen brachte er 1937 in kleine Vertiefungen, in die karge Erde und zerbröckelter Buntsandstein geschüttet wurden. Die Pflanzen sollten nicht verwöhnt werden und nicht absterben, wenn die Wurzeln in den darunter liegenden Haldenboden gelangen. Der Erfolg spricht für sich. Wenn auch durch Wildverbiss und menschliche Unvernunft immer wieder Zerstörungen zu bemerken sind, konnte sich das Vorhaben mit notwendiger Nachhilfe durch Naturfreunde unserer Tage nun schon Jahrzehnte behaupten.


TEILSTRECKE 4 (OPTIONAL) - Auf dem Haldenplateau zur Südspitze der Halde


Bleibt man nach Teilstrecke 3 auf dem Haldenplateau sind es noch etwa 500 m Luftlinie bis zur Haldensüdspitze. Unsere Teilstrecke 4 ist natürlich nicht bindend; mit genügender Vorsicht beim Bewegen im Gelände kann man sich selbst nach geeigneten Stellen mit guten Aussichtsmöglichkeiten ins Umland umsehen. Das Haldenplateau ist hier weitgehend eben und gut zu begehen. Anders als nach der Karte zu vermuten, ist an der Haldensüdspitze kein gefahrloser Abstieg möglich! Zur Fortsetzung der Tour muss man zurück zum Ende der Teilstrecke 3. Mit Blick auf den nicht ganz einfachen restlichen Teil unserer Wanderung, bleibt natürlich die Option, nach dem Genießen der herrlichen Aussicht vom Haldenplateau den Rückweg auf gleicher Strecke wie bis hierher anzutreten.


Westlich weitet sich der Blick über Wimmelburg, Wolferode bis hinein in die Grunddörfer des Mansfelder Landes. Zwischen den oft recht kleinen und einfachen Häusern der Dorfbewohner sind immer wieder auch schon beachtlich große Bergbauhalden, aber auch neue Bauten, wie z.B. das Wimmelburger Einkaufszentrum, zu erkennen.

Etwa an der Südspitze der Halde endet auch der am Haldenfuß entlang führende Hebener-Weg.  Dort, direkt an der Brücke der Bahn über die L225, hat man Sicht auf den nördlichen Teil der [145] Haldenlandschaft Wolferode am Horizont. Dort liegt das ehemalige Bergbau-Revier VII (Saugrund).


TEILSTRECKE 5 - Zum Ende des Karl Hebener-Weges


Die Länge dieser Teilstrecke beträgt ca. 700 m. Sie führt entlang des Haldenfußes zwischen Halde und Bahndamm. Der Hebner-Weg ist hier ein abwärts führender Pfad, der stellenweise Aufmerksamkeit auf hinreichende Trittsicherheit verlangt. 


Jetzt geht es am Haldenfuß entlang zwischen Halde und Bahndamm bis zum Ende des Hebener-Weges. Dieser restliche Teil, mehr ein Pfad, ist  kein „einfaches Gelände“ für Spaziergänger und bietet eigentlich keine Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Kurz vor dem Ende des Weges geht es vorbei am Tunnel, in dem der Wolferöder Graben den Bahndamm unterquert. Das Ende es Hebener-Weges ist gekennzeichnet. Eine defekte (2018) Schautafel hatte hier einmal über die "Haldenlanschaft Hüneburg" informiert. Bei dem Gebiet, welches wir auf unserer weiteren Wanderung erreichen, erwarten uns aber keine Halden des Altbergbaus; wir befinden uns dann in einem Karstgebiet mit seinen geologischen Besonderheiten, die sich aus dem Wechselverhältnis von Karst und Wasser ergeben haben.

Zunächst unterqueren wir aber die Bahnlinie auf der L225 Richtung Wolferode. Unter dem aufgeschüttetem Bahndamm befindet sich die Schachtröhre des Gerhard-Schachtes. Zur Prüfung der Bergbausicherheit wurden vor einigen Jahren im Bereich der Unterführung Probebohrungen durchgeführt. Lange Zeit vor Errichtung der Bahnstrecke, im Jahre 1821 geteuft, war er bis 1850 in Betrieb.


TEILSTRECKE 6 - Zum Hünekessel


Diese Teilstrecke (Länge ca. 2 km) beginn nach dem Passieren der Bahnunterquerung Richtung Wolferode. Die Wegstrecke ist nicht überall eindeutig gekennzeichnet und verlangt einige Aufmerkamkeit. Ein gelegentlicher Blick auf eine Navigastionshilfe kann nicht schaden. Kurze Teilabschnitte sind sehr steil und haben einen Untergrund, der das Begehen nur dann empfiehlt, wenn trockener Boden ausreichende Trittsicherheit bieten kann! Die Aussicht im oberen Wegabschnitt entschädigt aber für die Anstrengungen. Das Buschwerk am und im Hünekessel erlaubt nur einen sehr eingeschränketen Blick auf diesen Großerdfall.


Die weitere Wanderung führt uns unmittelbar nach dem Tunnel den Hahnestieg steil bergauf, in die Karstlandschaft „Hüneburg“. Das Schild mit der Aufschrift  "Haldenlandschaft Hüneburg" weist uns die Richtung. Auch dieser weitere Weg stellt einige Anforderungen an den Wanderer. Gleich zu Beginn des Weges queren wir, nun auf der anderen Seite des Bahndammes, wieder den Wolferöder Graben.

Oben angekommen, bietet sich uns noch einmal ein herrlicher Blick hinein in die Grunddörfer bis hin zu den Ausläufern des Unterharzes. Beim Blick nach unten ins Tal sieht man, wie sich die Bahngleise durch einen gewaltigen Einschnitt winden, den Hüneburgdurchstich. Erde und Gestein mussten auf einer Länge von etwa 250 m und bis zu 35 m tief abgegraben werden. In den Jahren 1865/66 wurde diese Leistung von hunderten von Arbeitern nur mit Hacke, Spaten, Schaufel und Schubkarre bewältigt. Karl Fischer (geb. 1841, gest. 1906), einer dieser Arbeiter, beschrieb in seinem in zwei Bänden erschienenen Buch "Denkwürdigkeiten und Erinnerungen eines Arbeiters" eindrucksvoll diese Arbeiten.

Bald ist der Hünekessel erreicht, der mächtigste von mehreren Erdfällen, die durch Auslaugungen im Untergrund entstanden sind. Von den tatsächlichen Ausmaßen dieses Großerdfalles bekommt man allerdings nur wenig zu Gesicht; das Gelände rechts neben unserem Weg ist stark mit Buschwerk und Bäumen bewachsen.


TEILSTRECKE 7 - Vom Hünekessel zurück nach Eisleben


Vom Hünekessel über den Kuckucksbaum zurück zum Ausgangspunkt der Tour in Eisleben sind es  ca. 3 km. Der Weg am Feldrand entlang und die anschließenden Straßen sind ohne Schwierigkeiten passierbar. Wer die schwierige Teilstrecke 6 meiden und dennoch Kuckucksbaum und Hünekessel sehen will, kann das auch von Eisleben direkt über Teilstrecke 7 bewerkstelligen! Hierbei sind alternative Wege möglich.


Ungefähr 250 m nach dem Hünekessel, eine kurze Wegstrecke bergauf, gelangen wir zum Standort des im Mansfelder Land legendären Kuckucksbaumes (+ 235,8 m NN). Leider ist der ursprüngliche Baum dem Ulmensterben der 60er Jahre zum Opfer gefallen. Inzwischen steht aber ein neuer Baum an diesem Standort.

Nun führt der Weg bergab. Wir kehren zurück nach Eisleben, dorthin, wo unsere Wanderung begann. Auf dem Rest des Weges bietet sich der Blick über Eisleben mit dem Turm der St. Annen-Kirche und der Halde des Fortschrittschachtes im Hintergrund. Die Bahnstrecke, die uns beim Weg entlang der Halde begleitet hat, unterqueren wir und gelangen so wieder zum Beginn des Hebener-Weges, wo wir uns nach rechts wenden und auf der Straße "Am Hohlweg" zum Ausgangspunkt unserer Wanderung kommen.



Navigationshilfen u.a.

Die Tour auf
Google-Maps1
HALDENTOUR 2
(kurze Tourvariante)
auf Outdooractive
HALDENTOUR 2
(kurze Tourvariante)
Google-Maps
          GPX 3
Touren-
beschreibung
(Original aus 1997)
erweitere
Teilstrecke 2 4

 

 

 

 

 

  • 1 -  Die Kartendarstellung bietet verschiedene Ansicht-Optionen durch Auswahl der entsprechend bezeichneten Ebenen. Die Ebene "Objekte" blendet die Standorte von in der Tourenbeschreibung genannten Sehenswürdigkeiten ein. Mit Bildern und Hinweisen versehene sonstige Wegemarken sind den Teilstrecken zugeordnet. Im interesse der Übersichtlichkeit sollten nicht alle verfügbaren Kartenebenenbenen gleichzeitig eingeblendet werden!
  • 2 -  Kurze Tourvariante mit Start am Center Wimmelburg bis zur Haldensüdspitze 
  • 3 -  GPX-Datei der Gesamtstrecke zum Download
  • 4 -  Beispiel für Teilstrecken im kml-Format für Google Earth -  mit am Fotostandort eingebundenen Bildern (Links zu T1 bis T7 im Text - farbiger Text "TEILSTRECKE ...")


Bildergalerie

 

Halde Fortschrittschacht (Foto Sauerzapfe 2018)
Wolferöder Graben (Foto Sauerzapfe)
Hebener-Weg am Haldenfuß (Foto Sauerzapfe)
Halde Otto-Schacht T42 (Foto Sauerzapfe)
Halde Otto-Schacht T41 (Foto Sauerzapfe)
Teilstrecke 3 Haldenplateau (Foto Sauerzapfe)
Anfang Teilstrecke 3 (Foto Sauerzapfe)
Straße Am Hohlweg (Foto Sauerzapfe 2018)
Blick über Eisleben (Foto Sauerzapfe 2018)
Am Kuckucksbaum (Foto Sauerzapfe 2018)
Auf dem Weg zum Hünekessel (Foto Sauerzapfe 2018)
Weg zum Hünekessel (Foto Sauerzapfe 2018)
Am Hünekessel (Foto Sauerzapfe 2018)
Ende Hebener-Weg (Foto Sauerzapfe 2018)
Hebener-Weg - Blickrichtung Wegende (Foto Sauerzapfe 2018)
Hebener-Weg am Haldenfuß (Foto Sauerzapfe 2018)
Auf dem Weg zur Südspitze der Halde (Foto Sauerzapfe 2018)
Blick Richtung Revier VII (Foto Sauerzapfe 2018)
Haldenplateau Ottoschacht (Foto Sauerzapfe 2018)
Hebener-Weg auf dem Haldenplateau Otto-Schacht (Foto Sauerzapfe 2018)
Erdmannschacht in Wimmelburg (Foto Sauerzapfe 2018)
Schlackenhalde Krughütte (Foto Sauerzapfe 2018)
Am Hebener-Weg auf der Halde (Foto Sauerzapfe 2018)
Das Hüttendenkmal (Foto Sauerzapfe 2018)
Am Schachtdeckel Otto-Schacht III
Fundamentreste der Seilbahn (Foto Sauerzapfe 2018)
Solarpark Krughütte und Thälmann-Schacht (Foto Sauerzapfe 2018)
Klosterkirche Wimmelburg Blick von der Ottoschächter Halde (Foto Sauerzapfe)
Am Startpunkt Hebener Weg (Foto Sauerzapfe 2018)
Auf dem Weg zur Straße an der Millionenbrücke (Foto Sauerzapfe 2018)
Ruine Betriebsgebäude Anschlussbahn (Foto Sauerzapfe 2018)
Brücke von Teilstrecke 2 zur Straße (Foto Sauerzapfe 2018)
Die Millionenbrücke aus Richtung Wimmelburg (Foto Sauerzapfe 2018)
In der Ruine der Bahnanlagen der Anschlussbahn (Foto Sauerzapfe 2018)
Alte Holzschwellen der Anschlussbahn (Foto Sauerzapfe 2018)
Denkmal-Krughütte (Foto G. Roswora)
Historische Aufnahme der Millionenbrücke im Hintergrund die Krughütte (Archiv Hammann)

 

Weitere Informationen

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    Mo.-Fr.: Sa.: So.:

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