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[099] Schlüsselstollen


Das Mundloch bei Friedeburg ist Endpunkt des Schlüsselstollens, mit dessen Auffahrung 1751 begonnen worden ist und der der tiefst mögliche Stollen des Reviers mit niveaugleichem Anschluss an einen Vorfluter ist. Der Schlüsselstollen ist mit einer Länge von 32,3 km einer der längsten bergmännisch hergestellten Stollen in Europa.



Objektbeschreibung

Verlauf des Schlüssel-Stollens - n. JANKOWSKI, G.: Zur Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus
(GDMB Clausthal-Zellerfeld, 1995)

Der Schlüsselstollen ist für die Mansfelder Mulde der tiefste mögliche Stollen mit einem niveaugleichen Anschluss an einen Vorfluter. Er wurde nur etwa 1 km westlich der Saale bei Friedeburg an der Schlenze und nur 4 m über der Hochwassermarke der Saale bei 71,7 m über NN angesetzt.

Der Schlüsselstollen ist mit einer Länge von 32,3 km einer der längsten bergmännisch hergestellten Stollen in Europa. Er liegt auf seinem etwa halbkreisförmigen Weg entlang des Ausgehenden des Kupferschiefers vom Mundloch über Gerbstedt, Hettstedt, Klostermansfeld und Helbra bis nach Eisleben max. ca. 185 m unter Gelände und weist ein Gefälle von 7,9 m (das sind nur 0,24 m/km) auf. Damit ist er auch ein Denkmal für die Kunst der Bergleute des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Auffahrung des Stollens wurde 1751 am Mundloch unter Nutzung einiger Meter eines älteren Stollens als „Friedeburgischer neuer Haupt- und Erbstollen“ begonnen und zunächst bis 1758 rund 1 km fortgesetzt. Dann trat eine Auffahrungspause bis 1809 ein, als man daran ging die älteren Stollenteile für eine Fortsetzung der Auffahrungen im Querschnitt von 2,6 x 1,3 m aufzuwältigen.

Später erweitere man den Querschnitt auf 2,9 x 1,6 m. Ab 1813 wurde der Stollen dann unter der Bezeichnung „Tiefer Mansfeld’scher Schlüsselstollen“ weiter vorgetrieben. Parallel zum Schlüsselstollen, aber 24,3 m höher, war bereits 1747 westlich Zabenstedt der Zabenstedter Stollen zur Lösung der Wässer der im Raum Gerbstedt liegenden Baufelder angesetzt worden. Seine Auffahrung bereitete aber wegen der Probleme mit den zusitzenden Wässern und dem dadurch bewirkten Trockenfallen von Brunnen in den dortigen Ortschaften so große Schwierigkeiten, dass die Arbeiten 1758 eingestellt werden musste. Erst 1807 nahm man den Vortrieb wieder auf und unterstützte dadurch die Auffahrung des Schlüsselstollens in diesem Raum.

Beide Stollen verlaufen über 15 km bis in den Raum Leimbach parallel, kreuzen sich wegen der Lagerungsverhältnisse am nördlichen Rand der Mansfelder Mulde mehrfach und haben teilweise gemeinsame Lichtlöcher.

Zur Beschleunigung der Auffahrung ging man ab 1836 aus Lichtloch 16 dazu über, gleichzeitig Feld- und Gegenort zu betreiben. Aus den gleichen Gründen wurde 1847 aus dem Schmid-Schacht in Helbra der erste Gegenortbetrieb im südlichen Teil der Mansfelder Mulde in Angriff genommen. Weitere folgten, z.B. aus den Martins-Schächten, den Freiesleben-Schächten, dem Lichtloch 81, usw.

Die Verbindung des südlichen und des nördlichen Teils des Schlüsselstollens erfolgte dann mit dem Durchschlag zwischen Leimbach (Freiesleben-Schacht) und Klostermansfeld (Theodor-Schacht) am 29.05.1879.

Es wurden über 50 Schächte und Lichtlöcher im Zusammenhang mit dem Vortrieb des Schlüsselstollens geteuft. Das letzte Lichtloch entstand 1890/91 mit dem Teufen des Otto-Schachtes 5 westlich Eisleben.

Der Schlüsselstollen - mit einem Klick auf die Karte zu uMap

Dieser interaktiven Karte mit dem Stollenverlauf können, neben Risskarten zum Stollenverlauf, auch nähere Informationen (Jahreszahlen, Lage, Teufe, Verwahrung u.a.) zu einigen der Lichtlöcher und Schächte des Stollens entnommen werden. (Siehe solche Details auch unter Zahlen und Fakten.) Einige weitere wichtige Schächte und Lichtlöcher des Stollens bzw. solche, die in engem Zusammenhang mit diesem zu sehen sind, sind ebenfalls als eigenständige Ojekte aufgenommen:

Mit dem Durchschlag des Schlüsselstollens 1879 wurde die gesamte Wasserhaltung der Mansfelder Mulde auf den Schlüsselstollen ausgerichtet. Es entstand ein System von Wasserhaltungen und den ihnen Wasser zuführenden Ritzstrecken, deren Schwerpunkte in der 3., 5. und 7. Sohle lagen. Sie waren das Rückgrat des Bergbaus in der Mansfelder Mulde bis 1970, als mit ihrer Stilllegung die Flutung der ausgeerzten Mansfelder Mulde begann.

Der Schlüsselstollen ermöglichte mit der Abführung von durchschnittlich 80 - 90 m³/min in den Jahren um 1890 – 1900 den Erhalt des Mansfelder Bergbaus in der Phase der großen Wassereinbrüche und stellte bis zur Einstellung des Bergbaus 1969 das Rückgrat der Wasserhaltung dar.

Auch heute noch erfüllt er mit der Abführung von 20 – 25 m³/min aus der seit 1981 gefluteten Mansfelder Mulde seine Pflicht bei der Erhaltung des bestehenden hydrologischen Zustands. Noch heute sind einige Lichtlöcher des Schlüsselstollens zu seiner Unterhaltung befahrbar.

Kahn zur Befahrung des Schlüsselstollens in der Umhausung am Mundloch (MansfeldBand2)
Mundlochbereich bei Friedeburg (MansfeldBand2)

Zahlen und Fakten

  • Mundloch Zabenstedter Stolln: Mühle Zabenstedt + 96,1 m NN
  • Gesamtlänge Zabenstedter Stolln 16.872 m
  • Gesamtkosten Zabenstedter Stolln 1.268.423 Mark
  • Mundloch Schlüsselstolln: Neumühle Friedeburg  71,6 m über NN; 4 m über Hochwasserpegel Saale
  • Länge Schlüsselstolln bis Sanderschacht 31.060 m
  • Kosten Schlüsselstolln bis Sanderschacht 3.623.783 Mark
  • Länge bis  Segengottesschacht 33.900 m
  • Anstieg Schlüsselstolln 4,45 m entsprechend 0,14 ‰ 

Schlüsselstollnteufe unter Gelände am:

  • Lichtloch 20 Z Gerbstedt 90,5 m
  • Zimmermannschacht Burgörner: 104 m
  • Müllerschacht Burgörner 110 m
  • Lichtloch 24 S Burgörner 105 m
  • Lichtloch 26 S Großörner 99 m
  • Freieslebenschacht Leimbach 132,5 m
  • Theodorschacht Klostermansfeld 174 m
  • Lichtloch 81 F Klostermansfeld 180 m
  • Hövelschacht Benndorf 138 m
  • Bolzeschacht Helbra 178 m
  • Schmidschacht Helbra 184 m
  • Sanderschacht Kreisfeld 169 m
  • Martinsschacht Kreisfeld 150 m
  • Ottoschacht V Wimmelburg 80 m
  • Segengottesschacht Eisleben 100 m

Lichte Schachtquerschnitte:

  • Lichtloch 20 Z 1,5 x 3,5 m
  • Zimmermannschacht 1,9 x 3,8 m
  • Müllerschacht 1,9 x 5 m
  • Lichtloch 24 S 1,9 x 3,8 m
  • Lichtloch 26 S 3,8 m Durchmesser
  • Freieslebenschacht 3,8 m Durchmesser
  • Theodorschacht 4 m Durchmesser
  • Lichtloch 81 F 2,5 x 4 m
  • Bolzeschacht 2,5 x 2,5 m
  • Schmidschacht 2,5 x 4,4 m
  • Sanderschacht 2,5 x 2,5 m  

Teufen / Entfernungen:

  • Teufendifferenz Zabenstedter Schlüsselstolln: 24,5 m
  • Wasserballance Müllerschacht 24 m Wassertonnenweg
  • Förderteufe Müllerschacht 105 m
  • Wasserballance Sanderschacht zur Flachenförderung 169 m Wassertonnenweg

Triebwassersäulen für Wassersäulenmaschinen:

  • Lichtloch 20 Z 24,5 m
  • Martinsschacht 25,5 m

Wassermengen / Wasserqualität:

  • Ausfluss Mundloch Schlüsselstolln 1968 35,6 m3/min
  • Salzgehalt Schlüsselstollnausfluss 1965/70 170 g/l
  • Einleitung Grubenwasser Thomas-Münzer-Schacht 1983/92 6 - 19 (21) m3/min
  • Salzgehalt in den Schlüsselstolln eingeleiteter Grubenwässer Thomas-Münzer-Schacht 150-180 g/l
  • Schlüsselstollnausfluss nach 1992 ca 20 m3/min mit ca 10 g/l Salzgehalt.
Niederschlagsmengen und Wasserabfluss (M. Spilker)

Zeittafel

[099] Zeitpunkt bzw.  von  bis Ereignis
1751 Auffahrungsbeginn als „Friedeburgischer neuer  Haupt- und Erbstollen"
1758 Einstellung der Auffahrung
1809 Aufwältigung der 1758 stillgelegten Stollenteile
1813 Fortführung des Vortriebs als „Tiefer Mansfeld`scher Schlüsselstollen"
1836 Erster Vortrieb mit Feld- und Gegenort aus Lichtloch 16
1849 Erster Gegenortbetrieb im Südteil der Mansfelder Mulde aus dem Schmid-Schacht in Helbra  
1879 Durchschlag zwischen nördlichem und südlichem Stollenabschnitt zwischen Leimbach und Klostermansfeld
1891 Teufen des letzten Lichtlochs (Otto-Schacht 5) bei Eisleben
1970 Einstellung der Wasserhaltung Mansfelder Mulde, Flutung des Grubengebäudes
1981 Beendigung der Flutung, der Restabfluß aus der Mansfelder Mulde erfolgt wieder über den Schlüsselstollen

Literatur

Beiträge im Mansfeld-Echo: 

(Letzte Aktualisierung: März 2021)

 

 

Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Der Stolln verläuft von Friedeburg an der Saale über Gerbstedt, Hettstedt-Burgörner Leimbach, Klostermansfeld, Helbra, Kreisfeld, bis Eisleben 33,9 km im Halbkreis um die Mansfelder Mulde.

    Die Stollenrösche ist unterhalb des Mundlochs bei Friedeburg zur Vermeidung von Umweltschäden durch das wärmere Salzwasser und des Geruchs des bis 1990 durch die Hütten eingeleiteten Gaswaschwassers mit Bohlen abgedeckt. Der Bereich ist nicht öffentlich zugänglich.

    Verlauf des Stollens (Der auf uMap gezeigte Verlauf erhebt keinen Anspruch auf Messtischblatt-Genauigkeit!)

  • Geodaten:
    51°36'55.512"N 11°43'54.22"E
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