[213] Der Braunkohlenbergbau im Raum Helbra

 

Der Bergbau in der Südmulde

Der Abbau der Braunkohle der Südmulde begann im Jahre 1796 mit dem als "Wettiner Bau" genannten Schacht. Unter der Leitung des Bergamtes Wettin war hier die Gewerkschaft "Braune Caroline" mit zunächst 5, dann 10 Arbeitern tätig. Trotz guter Qualität bereitete die geringe Stückigkeit Absatzprobleme. Als man auf einen Sandrücken stieß, kam es in den Jahren 1798 bis 1808 zu einer Unterbrechung des Abbaus. In dieser Zeit wurden Erkundungsbohrungen durchgeführt. Deren Auswertung zeigte Deckgebirgsmächtigkeiten von 10 bis 20 Meter. Das führte zu der Entscheidung, die Kohle im Tiefbau zu gewinnen.

Die Grube Braune Caroline war damit - soweit bekannt - die einzige der kleinen Braunkohlegruben im unmittelbaren Kupferrevier, die im Tiefbau betrieben wurde:

Zur Anwendung kam dabei der sogenannten Pfeiler-Bruchbau. Zunächst ist dabei das Flöz durch senkrechte Schächte oder schiefe Ebenen erschlossen worden. Jeweils 2 solcher Schächte bildeten einen Komplex, von dem der Abbau ausging. Die Schächte der Südmulde trugen die Buchstaben A bis R und waren ca. 30m tief; bis in das Liegende der Kohle getrieben. Der Ausbau der Schächte mit der Dimension von ca. 1 x 2m erfolgte als Bohlenzimmerung. (Eine Zeichnung weiter unten zeigt den Schacht G der Braunen Caroline). Dann wurde es in Abbauscheiben von etwa 4,50 m Stärke horizontal eingeteilt und in einzelne Abbaupfeiler (mit max. 4m² Grundfläche) zerlegt. Der eigentliche Abbau schritt auf der obersten Abbauscheibe von der äußersten Grenze des abzubauenden Kohlenfeldes dem Schachte zu. Nachdem die Kohle der obersten Abbauscheibe gewonnen war, wurden dann der Reihe nach die tiefer gelegenen Abbauscheiben auf die gleiche Art und  Weise in Angriff genommen. Die eigentliche Kohlengewinnung erfolgte in sogenannten Brüchen (Räume mit der Grundfläche und der Höhe der Abbauscheiben). Mittels Keilhaue bis zum hangenden Gestein hochgebrochen, rutschte die Kohle in die Strecke und wurde von dort mittels Schiebekarren zum Schacht transportiert. Die ausgekohlten Bereiche wurden nach Sperrung der Strecke zum Zubruchgehen gebracht und dann der nächste Pfeiler in Angriff genommen. Infolge dieser Vorgehensweise (Hereinbrechen der hangenden Gebirgsmassen in die ausgekohlten Bereiche) und beim Fortschreiten des Abbaues setzen von Bruch neben Bruch, konnte sich das Deckgebirge auf große Flächen hin allmählich senken. Gefördert wurde mit Haspel, Hanfseil und Förderkübel mit rund 2 Zentner Fassungsvermögen. Übertage kam die geförderte Kohle zunächst in sogenannte (geeichte) Kontrollkästen zur Leistungsabrechnung und als Grundlage für den Verkauf.

Der Abbau der Südmulde lässt sich in mehrere zeitliche Etappen gliedern:

  • 1795 bis 1804:  „Wettiner Bau" südlich der Siebigeröder Straße. Der Abbau musste von 1804 bis 1808 wegen der starken Wasserzuflüsse unterbrochen werden. Betreiber war das Bergamt Wettin.
  • 1809 bis 1810: Gewerkschaftlicher Bau unter Leitung des Gutsbesitzers Kerßenbrock (Helmsdorf). Aufsicht führte das Bergamt Eisleben. Die Schächte mussten bereits kurz nach Aufnahme wegen starkem Wasserzufluss wieder beendet wer­den.
  • Um 1812:  Wiederaufnahme der Produktion im Bereich der heutigen Glückauf-Kampf­bahn durch 4 Schächte. 
  • Bis 1851: Aus ökonomischen Gründen wur­den die letzten Schächte eingestellt und die Produktion in die Nordmulde verla­gert.

Die ausgesprochen ungleichmäßige Ausbildung der Lagerstätte (siehe dazu auch die Risskarte) bereitete erhebliche Probleme. So waren umfangreiche Untersuchungen mittels Probebohrungen, Schächten und Erkundungsstrecken notwendig, ehe man an die Aufnahme des Abbau im Tiefbau denken konnte. Der erste Schritt war dann die Entwässerung des Baufeldes. Nach der negativen Erfahrung, die man diesbezüglich mit dem "Wettiner Bau" gemacht hatte, entschloss man sich,  Entwässerungsstollen anzulegen.

Der bekannteste Stollen in elliptischer Mauerung (1 x 2m) wurde im Jahr 1800 am Pflaumenweg bei Ziegelrode (Mundloch ca. 50m nördlich der alten Ziegelröder Str.) begonnen und nach Norden etwa bis zur Straße Helbra - Ziegelrode aufgefahren. Flügelorte zur Entwässerung gingen von dort nach Osten und Norden. Der Stollen trug den Namen der die Grube betreibenden Gewerkschaft "Braune Caroline", nachdem man ihn zunächst nach einem kleinen See bei Ziegelrode  "Untermörse-Stollen" benannt hatte. Er ist ca. 300m lang. Der Stollen konnte, da nicht tief genug gelegen, seine Aufgabe nur teilweise erfüllen und lediglich den oberen Bereich des Vorkommens entwässern. 1828 wurde er saniert, war aber bereits 1851 verbrochen; soll aber noch heute Wasser abgeben.      - Lage des Mundlochs des Braune Caroline Stollens -

Bereits 1834 wurde, ebenfalls zur Entwässerung, die "tiefe Wasserstrecke" mit den Abmessungen 1 x 1,5 Meter aus dem Kochschacht aufgefahren. Der Kochschacht bot sich als Ausgangspunkt an. Für die Kupferschieferproduktion war er bereits aufgegeben und sein Wasser wurde zum Betreiben der Schafbreiter Kunst in Wimmelburg genutzt. Schwemmsandbereiche im Stollenverlauf und Instabilitäten des Kochschachtes selbst, bereiteten bei diesem Vorhaben erhebliche technische Probleme und hohe Kosten. Auch ein vor diesem Hintergrund angesetzter Wasserschacht mit Entwässerungsbohrloch zum Glückaufstollen brachte nur einen Teilerfolg. Der Ostteil der Südmulde konnte so nicht trocken gelegt werden.

Erst die 1841 26m unter der Hängebank angesetzte "Wasserstrecke aus dem Eckardt-Schacht" (Lichtloch 76 des Froschmühlenstollens) konnte das Problem lösen. Die Wasserstrecke war bis 1851 in betrieb.

Zahlen aus dem Jahr 1830 sagen etwas über die Belegschaftsstärke und die Arbeitsbedingungen in der Braunen Caroline. Die 30 Beschäftigten setzten sich je Drittel (eine Schicht) aus 2 Kohlenhauern, 2 Karrenläufern, 1 Anschläger und 4 Haspler zusammen. Gearbeitet wurde manuell ohne Maschineneinsatz. Die Arbeitszeit betrug 8 Stunden. Darin enthalten waren 15 Minuten für Gebet, 10 Minuten Einfahrt, 15 Minuten Frühstück und 20 Minuten Seil- und Schachtabnahme. Die reine Arbeitszeit betrug also 7 Stunden. In dieser Zeit wurden pro Mann 95 Zentner Kohle gewonnen. Der Schichtlohn lag bei 7 Silbergroschen und 6 Pfennigen.

Im Jahre 1851 entschied man sich, die Förderung in der Südmulde einzustellen. Die Lagerstätte war zwar nicht völlig ausgekohlt, aber die nördliche Mulde konnte eine wesentlich bessere Kohlequalität liefern. Auf weitere Vorkommen (nestförmige Lagerungen) in dieser Region wiesen Funde im E-Schacht (in der Nähe der ehemaligen Walzenmühle) bei Bohrungen im Außenring der ehemaligen August-Bebel-Hütte hin.

Zeichnungen aus dem Bestand des Mansfeld-Museums zeigen einen Schacht und technische Einrichtungen der Braunen Caroline.

Zeichnung eines Schacht-
Abteufens mittels eines
Kastens auf der Braunen Caroline
Zeichnung einer Bohrmaschine
auf der Braunen Caroline
Zeichnung von Schacht G
der Braunen Caroline.

 

 

 

 

 

 

 

 

alle Zeichnungen: Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)


Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Im Bereich der Südmulde, am westlichen Ortsausgang Richtung Ziegelrode / Ahlsdorf gelegen, lässt nichts darauf schließen, dass hier vor über 150 Jahren Braunkohle im Tiefbau gewonnen worden ist. Lediglich im Pfarrholz weisen noch einige Geländeformationen auf das Bruchfeld des ehemaligen Tiefbaus hin.

    Das wassergefüllte Restloch der Nordmulde, "Bad Anna", ist heute ein beliebtes Naherholungszentrum. Der Förderverein Naherholungsgebiet "Bad Anna" e.V. bietet  an diesem idyllischen Ort eine ganze Palette von Freizeitangeboten. Die Webseite des Vereins hält darüberhinaus interessante Details aus der Geschichte bereit, die über das hier bei uns zu lesende hinausgehen.

    Bad Anna

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