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[171] Gonnaer Stollen


1542 begonnener Stollen des Sangerhäuser Reviers mit dem Mundloch auf 182,6 m über NN südlich der Gemeinde Gonna am gleichnamigen Bach. Der Stollen hat eine Gesamtlänge von 13 km.


Mundloch des Gonnaer Stollens (Foto: MansfeldBand 3)
Mundloch des Gonnaer Stollens

Der Gonnaer-Stollen wurde im Jahre 1542 im Zuge der Entwicklung des Kupferschieferabbaus nach einer schon Jahrhunderte andauernden Phase des Bergbaus, in der die tagesnahen vererzten Partien des Kupferschiefers abgebaut waren, unmittelbar südlich der Gemeinde Gonna direkt an Bach mit dem gleichen Namen bei +182,60 m NN angesetzt, um tiefer liegende Baufelder für den Abbau vorzubereiten.

Der Stollen erreichte im Jahre 1625 nach 2511 m querschlägiger Auffahrung im Hangenden des Flözes in etwa nördlicher Richtung bei Obersdorf das Kupferschieferflöz. Mit einem östlichen Stollenflügel von rd. 3.034 m Lange (bis östlich von Pölsfeld und einem westlichen Stollenflügel von 7.648 m Länge (bis westlich von Morungen) steht für den Stollen eine Gesamtlänge von 13.193 m zu Buche. Die Auffahrungen wurden um das Jahr 1848 eingestellt.

Die Vortriebe des östlichen und des westlichen Stollenflügels, wie diese Streckenabschnitte von den Alten bezeichnet wurden, erfolgen in der Regel zum Aufschluss des Flözes und standen deshalb fast ausschließlich im Zechsteinkalk und im Kupferschiefer. Sie waren unter das Flöz ins Liegende geritzt, um die Wasserableitung von Abbaueinflüssen möglichst frei zu halten. Der bekannteste Schacht auf dem Gonnaer-Stollen war der westlich von Wettelrode gelegene Carolus-Schacht. Östlich von Pölsfeld wurde noch Im Jahre 1922 der Barbara-Schacht, der aber nicht in Produktion ging, auf den Gonnaer Stollen abgeteuft.

Der querschlägige Stollenteil zwischen dem Mundloch und dem Aufschluss des Flözes wurde demgegenüber ausschließlich im Hangenden aufgefahren. Er verläuft zwischen dem Mundloch und dem Lichtloch 8 entlang der Ostflanke des so genannten Gonnaer Grabens, einer rheinisch gerichteten Subrosionsstruktur mit relativ mächtigem Tertiär und Pleistozän über stark reduziertem Zechsteinprofil.

Der Gonnaer-Stollen war in seinem querschlägigen Teil ursprünglich mit 20 Lichtlöchern besetzt, im 19. Jahrhundert kam bei Rekonstruktionsarbeiten zwischen den Lichtlöcher und 12 noch ein Hilfsschacht hinzu. Er ist, wie alle Lichtlöcher des querschlägigen Stollenteils nördlich des Lichtlochs 8, heute nicht mehr befahrbar.

Der querschlägige Teil des Stollens ist generell in Mauerung gesetzt, zumindest trifft dies für die befahrenen Stollen Abschnitte zwischen dem Mundloch und dem Lichtloch 14 zu. In den söhligen Abschnitten (in den östlichen und westlichen Stollenflügeln) wurden erfahrungsgemäß nur jene Stollenabschnitte mit Mauerung versehen, die infolge intensiverer Klüftung und / oder subrosiver Zerstörung des Gesteins besonders gesichert werden mussten.

Der Stollen war seit seiner Entstehung als Wasserableitung aus den Grubenbauen am Ausgehenden mehr oder weniger durchgehend in Betrieb. Zeitweilig (d. h. im Zeitraum des Dreißigjährigen Krieges) wurde er auch als verbrochen gemeldet. Genauere Angaben zur Entwicklung seines Zustandes sind indessen nicht bekannt.

Im Zuge von Rekonstruktionsmaßnahmen, deren vermutlich umfangreichste zwischen 1832 und 1839 vorgenommen werden musste, wurden ganze Stollenteile erneuert (vom Lichtloch 7 bis zum Lichtloch 12), Parallelstrecken gefahren und ältere Stollenteile abgeworfen (z. B. zwischen den Lichtlöchern 8 und 12). In diesen Abschnitten wurde dabei auch das Profil von etwa 0,8 m mal 1,3 m auf rd. 1 m mal 2 m erweitert.

Blick in ein Lichtloch

Auch noch im 20. Jahrhundert war er, zumindest zeitweilig, in eine relativ regelmäßige Überwachung und Instandhaltung einbezogen, zumal im Lichtloch 2 (auf dem Grundstück „Steigerei" in Gonna) durch Einleitung von Gonna-Wasser mit Ableitung über den Stollen eine kleine Turbine zur Stromerzeugung betrieben wurde.

Schriftliche Notizen über Instandhaltungsarbeiten liegen ferner aus dem Jahr 1922 vor, als eine Entschlammung, verbunden mit einer Ausbesserung von Schäden, erfolgte. Außerdem kennt man mündliche Mitteilungen, nach denen ein im Jahre 1943 über dem Stollen in der Ortslage Gonna neben der Hauptstraße niedergegangener Tagesbruch von über Tage aus repariert wurde.

Die vorletzte bekannte Befahrung und Reinigung des Gonnaer-Stollens erfolgte im Jahre 1983. Sie war verbunden mit seiner Rekonstruktion unterhalb des Lichtloches 1 und einer Verlegung des Mundlochs. 1998 wurde im Auftrag des Bergamts Halle nochmals eine Aufnahme des Stollenzustands zwischen dem Mundloch und dem Lichtloch 14 durchgeführt.

Der Stollen diente vor 1990 der Gewinnung von Trink- und Beregnungswasser für die Landwirtschaft bei Gonna. Der Barbara-Schacht bei Pölsfeld wird für die örtliche Notwasserversorgung weiter vorgehalten.

Der Abfluss des Gonnaer-Stollens schwankt witterungsbedingt zwischen 1 m³/min und 2 m³/min.

Quelle: MansfeldBand3 Seite 138 /139

(Letzte Überarbeitung April 2021)

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