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Tour 07 - Morungen - geologisch- montanhistorische Wanderung


Tour 5 OS Karte.jpg
Kartenbasis: © OpenStreetMap

Die Tour ist von Martin Spilker vom Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V. zusammengestellt. Entlang des Weges sind Relikte des Kupferbergbaus und geologisch interessante Formationen zu finden. Vermittelt wird Wissenswertes zur Geologie und zum Bergbau in der Region.

Der Beitrag ist als Anregung für eigene Planungen gedacht, wobei man sich das eine oder andere Objekt oder interessante Wegpunkte "herauszupicken" und - mit oder ohne unsere Wegvorschläge - aufsuchen kann. Nutzen Sie dazu die INTERAKTIVE KARTE!

 

 



Interaktive Tourkarte

Nutzung der interaktiven Tourkarte: Ein Klick auf die Stationen führt zu näheren Informationen und weiterführenden Links. Für die Aktualität von Links zu externen Angeboten / Informationen (aufgenommen bei der Tourerstellung im September 2019) kann nicht garantiert werden. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf die Karte erlaubt es, die Navigation von bzw. zu einem so ausgewählten Punkt zu starten (Route von hier).

Vollbildanzeige

Die gezeigte Wegstrecke ist nur als Anregung für eine Wanderung gedacht. Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, welche Stationen er für einen Besuch auswählt und auf welchem Weg er sie anläuft.

MORUNGEN

Morungen ist ein kleiner Ort am Südrand des Harzes mit ca. 200 Einwohnern. Urkundlich bekannt ist das Dorf seit 899 (Hersfelder Zehntregister). Der Ort war immer von Land- und Waldwirtschaft geprägt. Auch der Bergbau gab vielen Einwohnern ihr Auskommen. Er ist hier etwa seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Eine Blüte erlebte er im 16. – 18. Jahrhundert, um dann einzugehen.

Der Altbergbau bei Morungen
(Bergbauriss - mit OpenTopoMap überlagert)

Der Neubeginn des Kupferschieferbergbaus im Revier Sangerhausen nach 1945 gab wieder vielen Morungern Beschäftigung.
Der Ort war viele Generationen beherrscht von der Familie derer von Eberstein, später von Eller-Eberstein. Unter ihrer Herrschaft entstand hier zunächst die „alte Morungsburg“ westlich des Ortes, später die „Neue Morungsburg“ auf dessen Ostseite. Von beiden sind nur noch Reste erhalten. Das Ende des 19. Jh. vom damaligen Besitzer erbaute „Neue Schloß“ wurde 1945 enteignet und diente bis 1990 als Ferien- bzw. Genesungsheim. Heute ist es nicht mehr zugänglich.
Im Ort ist zu erwähnen die Kirche St. Nicolai mit davorstehender alter Linde. Das gilt auch für den „Sockenbaum“, der am Ortseingang von Osten her oberhalb der Straße steht und früher den Frauen der heimkehrenden Bergleute als Warteplatz oder dem zum Tanz in Morungen erscheinenden Jungvolk der Umgebung zum Tausch der beim Anmarsch durchnässten „Socken“ diente.
Bekannt ist der Ort Morungen neben seiner ihn umgebenden schönen Landschaft vor allem durch den mittelalterlichen Minnesänger Heinrich von Morungen (etwa 1150 bis etwa 1220). Ein Erinnerungsstein an ihn steht an der Thomaskirche in Leipzig.


Station 1 - Parkplatz am Ortseingang Morungen

Den Parkplatz im Ort hatten wir für unseren Rundweg ausgewählt. Dieser Ausgangspunkt der Wanderung ist, ebenso wie die vorgeschlagene Wegstrecke, lediglich als Anregung für eine Wanderung gedacht. Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, welche Stationen er für einen Besuch auswählt und auf welchem Weg er sie anläuft.


Station 2 - Schacht Neuer Moritz

Der Bergbau auf Kupferschiefer (Abbau eines Flözes, entstanden als im Wasser abgelagertes Sediment) begann um Morungen in den Revieren am Heiligen Born (erwähnt 1452) und am Kuhberg (östlich von Morungen) und im Morunger Gemeinderevier (westlich von Morungen). Es gab aber auch älteren Bergbau auf Erze oder Spat (Gangbergbau).

bewachsene Halde des Schachtes Neuer Moritz (Foto Sauerzapfe - 2019)

Hier stehen wir am Kupferschieferschacht Neuer Moritz, der etwas oberhalb des Gonnaer Stollens steht und etwa 62 m tief ist. Er wurde schon vor 1836 geteuft und bereits 1844 wieder abgeworfen. An seiner Halde ist auffällig viel Kupferschiefer zu finden, was Rückschlüsse auf die Bauwürdigkeit an dieser Stelle zulässt.

Kupferschiefer (Foto Sauerzapfe - 2019)

Die fehlende Bauwürdigkeit in diesem Areal war sicher auch der Grund für das Beenden des Vortriebs der beiden Hauptstollen des Reviers Sangerhausen, nämlich des

Gonnaer Stollens:

  • Ansatz 1542 zwischen Gonna und Sangerhausen,
  • 13 km Gesamtlänge, davon Querschlag vom Mundloch bis Obersdorf 3,2 km,
  • ab Obersdorf nach Westen Vortrieb bis etwa 1850,
  • Endpunkt: Gonnaer Stollenschacht westlich der Lehmgruben / Angelteiche, geteuft 1849, 62 m tief, heute eingeebnet und des

Seegen-Gottes-Stollens:

  • Ansatz 1830 westlich Sangerhausen,
  • 10 km Gesamtlänge,
  • Vortrieb bis 1874,
  • westliches Ende unter der Mooskammer auf der Höhe der sog. Pferdeställe.

Weitere und ältere Stollen in diesem Revier waren die Pfaffenrainer Sohlenstrecke und der Morunger Gemeinde-Erbstollen, die beide unmittelbar südlich der Landstraße liegen.

Wir stehen hier am Nordhang der Mooskammer, deren Steilhang das zwischen dem Kupferschieferausstrich nördlich der Landstraße und der Mooskammer entstandene Auslaugungs- und Erosionstal südlich begrenzt. Es ist zwischen Pölsfeld und Seesen am gesamten Südharzrand parallel zum Kupferschieferausstrich vorhanden. Seine Entstehung verdankt es der Wasserlöslichkeit der über dem Kupferschiefer liegenden anhydritischen Gesteine des Zechsteins. Die Oberflächengewässer erleiden hohe Wasserverluste (u. U. bis 100 %).
Dieser Bereich ist der Mittelpunkt der „Karstlandschaft Südharz“. Deswegen trägt auch die Mooskammer den Status eines Landschaftsschutzgebietes.

Über eine Brücke über den Erlbach und einen Treppenaufstieg kommen wird auf den Landwehrweg, der uns zu den Pferdeställen bringt.

Brücke über den Erlbach (Foto Sauerzapfe - 2019)
Aufgang zum Landwehrweg (Foto Sauerzapfe - 2019)

Station 3 - Mooskammer und Pferdeställe

Auf der Oberkante des Höhenzuges der Mooskammer setzt der Buntsandstein ein. Seine vorwiegend tonige Basis schützt den darunterliegenden Zechstein, hier die Oberkante des Hauptanhydrits, gegen das Eindringen von Wasser von oben. Dadurch bildete sich die Steilstufe im Gelände heraus. Die Auflösung des Gesteins von Norden her, das zur Entstehung des Erosions-/Subrosionstales geführt hatte, geht aber weiter und führte hier zu erheblichen Auslaugungsräumen im Untergrund und damit zu Großerdfällen.

Blick in die Pferdeställe (Foto Sauerzapfe - 2019)

Die sog. Pferdeställe sind solche großen Erdfälle. Ihre versteckte Lage veranlasste die Bewohner im Mittelalter/30-jähriger Krieg, hier ihr Vieh vor marodierenden Söldnern zu verstecken.
Eine Schautafel gibt hier Erläuterungen zur Geologie.

Informationstafel an den Pferdeställen (Foto Sauerzapfe - 2019)


Station 4 - Lehmgruben einer alten Ziegelei

ehemalige Lehmgruben einer Ziegelei (Foto Sauerzapfe - 2019)

Die ehem. Ziegelei Morungen (Lage: in einem Tal nördlich der Straße) gewann hier im Tal ihren Rohstoff für die Ziegelproduktion. Der Transport zur Ziegelei erfolgte mittels Kipploren auf Schmalspurgleisen.
Heute stellen die inzwischen wassergefüllten Gruben ein beliebtes Angelgewässer dar. Auf dem Weg in Richtung Landstraße überqueren wir

  • direkt an den Teichen den Gonnaer Stollen (etwa +190 m NN / 62 m Teufe)
  • zwischen Schacht Nr. 3 und Nr. 4 den Pfaffenrainer Stollen (ca. 50 m u. G.)
  • unter den kleinen Halden westl. des Weges den Morunger Gemeinde-Erbstollen (etwa gleiche Teufenlage)

Station 5 - Pingen beiderseits des Weges

Nördlich der Straße finden wir im Wald beiderseits des Weges die nahe am Ausgehenden liegenden Reste der bergbaulichen Anfänge mit den typischen, eng beieinander liegenden Pingen (Hinterlassenschaft des sog. Duckelbergbaus).


Station 6 - Steinbruch

Unmittelbar östlich des Weges treffen wir auf einen Steinbruch in den liegenden Gesteinen des Kupferschiefers, hier des Oberkarbons (rote Sandsteine, Tonsteine u. Konglomerate). Diese Gesteinsfolge ist sowohl im Röhrigschacht (Schachtröhre unterhalb der Stollensohle und im Querschlag 1. Sohle) als auch z. B. im Kyffhäusergebirge präsent. Das Kyffhäuserdenkmal steht darauf und besteht daraus. Die Gesteine gehören ins Karbon, und zwar in die Mansfelder Schichten (Stefan). Die Schichtenfolge aus roten Tonsteinen, Sandsteinen und Konglomeraten ist zyklisch aufgebaut, d.h. sie beginnt unten mit den Tonsteinen und entwickelt sich weiter über Sandsteine und Konglomerate um plötzlich wieder zu Tonsteinen zu wechseln. Dies erfolgt in mehreren Zyklen und erreicht mehrere hundert Meter Mächtigkeit. Im Ruhrgebiet und bei Halle (Wettin) sind diese Schichten kohleführend.


Station 7 - Alte Morungsburg

Von der alten Morungsburg sind nur noch spärliche Reste erhalten. Zu sehen sind neben Resten von Wall- und Grabenanlagen nur noch wenige Meter Mauerreste.
Die Morungsburg wurde im 11. Jh. erwähnt. Kaiser Heinrich V. (1081 – 1125) belehnte damit die Grafen von Mansfeld. Die Burg wurde bald verlassen. Bekannt ist sie vor allem als Geburtsort Heinrichs v. Morungen, des Minnesängers (1150-1222).

siehe auch WIKIPEDIA: Burg Alt-Morungen


Station 8 - Barytgang

In und um Morungen fand aber nicht nur Bergbau auf Kupferschiefer statt. Es weisen alte Schmelzstellen in der Umgebung auch auf die Gewinnung von Metallen und auch auf Minerale wie Schwerspat hin. Hier stehen wir vor einem alten Aufschluss eines Schwerspatganges, der durch Verwitterungsvorgänge schwer erkennbar ist. Abbau erfolgte auf dieses Mineral noch bis ins 19. Jh. Der Gang ist Teil des Unterharzer Gangsystems und wird zeitlich in den Übergang vom Karbon zum Perm (zu dem auch der Zechstein gehört) gestellt.

siehe auch [183] Barytgang Morungen (Morungen)

am Barytgang (Foto Sauerzapfe - 2019)

Gesteinsformationen am Barytgang (Foto Sauerzapfe - 2019)

(Stand 02/2020)

Weitere Informationen

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