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[147] Die Anschlussbahn Eisleben


Mit der Anschlussbahn Eisleben erfolgte im Jahre 1901 die Anbindung der Krughütte an das Normalspurnetz der Reichsbahn. Die sogenannte Millionenbrücke über die Straße Eisleben - Wimmelburg ist das letzte bis heute erhaltene Relikt dieser Bahnstrecke und ein interessantes Baudenkmal.



Objektbeschreibung

Text übernommen aus: MANSFELD Die Geschichte des Berg- und Hüttenwesens Band 3, Die Sachzeugen - Seite 289 (erschienen 2008)

Historische Aufnahme der Millionenbrücke im Hintergrund
die Krughütte und die Seilbahn zu den Otto-Schächten
(Archiv Hammann)

Die etwa 5 km lange normalspurige Anschlussbahn Eisleben wurde im Jahr 1901 für die Versorgung der damaligen Otto-Schächte und der alten Krug-Hütte angelegt . Auf der Hütte endeten die Gleise anfangs im Bereich der Schlackenverladerampe der späteren neuen Hütte. Dieses Gleis wurde mit einem Viadukt über den Bachlauf der Bösen Sieben und die von Eisleben nach Sangerhausen führende B 80 hinweggeführt.

Zeitgleich mit dem Bau der neuen Krug-Hütte und des Kraftwerkes 1 erfolgte eine Erweiterung des Normalspurgleises auf dem Hüttengelände zu den Koksbunkern und zum Kraftwerk. Im Jahre 1930 wurde der Rollwagenbetrieb eingeführt. Material für die Koch-Hütte in Helbra und für die in der Nähe gelegenen Schächte brauchte nun nicht mehr auf Werksbahnwagen umgeladen zu werden, die Reichsbahnwagen wurden nunmehr über eine Rampe auf 750-spu-rige Transportwagen aufgerollt und von der Werksbahn zu den jeweiligen Betrieben gefahren. Durch die seit 1952 erhöhte Erzförderung von den Schächten aus der Sangerhäuser Mulde mit Reichsbahnwagen vergrößerte sich das Verkehrsaufkommen bis 1960 um 100 %: 150 bis 170 Wagen gingen pro Tag ein, davon wurden 50 bis 60 mit Schlackenpflastersteinen und Schlackenschotter beladen und an die Reichsbahn zurückgeführt. Mit der Inbetriebnahme der Anschlussbahn in Helbra im Jahre 1961 reduzierte sich das Transportaufkommen der Anschlussbahn Eisleben um 70 %. Sangerhäuser Erz wurde nun von Helbra auf die Eisleber Hütte gefahren.

Der Rollwagenbetrieb verlor an Bedeutung, er wurde im Jahre 1972 mit der Aufgabe der Karl Liebknecht-Hütte (bis 1951 Krug-Hütte) vollständig eingestellt. Jetzt versorgte die normalspurige Anschlussbahn nur noch das Kraftwerk 1 mit Rohbraunkohle. Mit der Stilllegung des Kraftwerkes im Jahre 1990 - es diente zu diesem Zeitpunkt nur noch der Wärmeversorgung einiger Wohngebiete der Stadt Eisleben -, ging zwangsläufig auch das Ende der Anschlussbahn Eisleben einher; inzwischen sind die Gleise zurückgebaut worden.

Die Millionenbrücke im Jahr 2018 (Foto Sauerzapfe)

Geblieben ist aber der oben erwähnte Viadukt über die Böse Sieben" und die B 80 (heute L151), der im Jahre 1901 mit einer Länge von 55 m und einer Höhe von 15 m errichtet worden ist. Er bestand ursprünglich aus zwei Widerlagern, fünf gemauerten Gewölbebögen und vier Pfeilern. Eine Absenkung des nördlichen Mittelpfeilers (beginnend im Jahre 1921) führte zum Bruch des die B 80 überspannenden Gewölbebogens, der 1926 durch eine Stahlträgerbrücke ersetzt werden musste. Vermutlich wegen der sehr hoher Baukosten und einer im Jahr 1926 notwendig gewordenen kostenaufwendigen Reparatur erhielt das Bauwerk im Volksmund die Bezeichnung „Millionenbrücke": Unter diesem Namen ist es noch heute im Mansfelder Land bekannt. Eine Senkung des Nördlichen Pfeilers 1952 führte zu Rissen in den zwei darüber liegenden Gewölbebögen. Ursache war ein Hohlraum in 27 m Tiefe, der durch Auslaugung des Anhydrits entstanden war. Zur Sicherung der Brücke brachte man unter beide nördlichen Pfeiler eine stahlarmierte Betonplatte ein und vermauerte die Öffnungen zwischen den Pfeilern und den Gewölbebögen. In diesem Bauzustand findet man die „Millionenbrücke" als letztes Relikt der Anschlussbahn Eisleben heute noch vor. 

Zeichnung aus dem Jahr 1899: Mansfelder kupferschieferbauende Gewerkschaft. Anschlussgleis der Otto-Schächte u. der Krughütte an den Bahnhof Eisleben. Lageplan von km I + 477 bis km II + 300. Blatt 3 (e?). 
Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)

 

Zeichnung aus dem Jahr 1900 mit den Stempeln der Genehmigungsbehörden:
Mansfelder kupferschieferbauende Gewerkschaft. Anschluss der Krughütte an den Bahnhof Eisleben. Blatt 1 c. Brücke über die "Böse Sieben" und die Chaussee nach Sangerhausen.
Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)
 

Bildergalerie

Technische Zeichnungen: Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)

Brücke über die ”Böse Sieben” und die Chaussee nach Sangerhausen - Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)
Thalübergang für die Anschlussbahn der Otto-Schächte - Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)
Anschlussgleis der Otto-Schächte und der Krughütte (Ungültig!) - Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)
Mansfelder kupferschieferbauende Gewerkschaft. Anschluss der Krughütte an den Bahnhof Eisleben. Blatt 1 c. Brücke über die "Böse Sieben" und die Chaussee nach Sangerhausen.
Anschlussgleis Otto-Schächte u. Krughütte Herkunft/Rechte: Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (CC BY-NC-SA)
Ruine Betriebsgebäude Anschlussbahn (Foto Sauerzapfe 2018)
Die Millionenbrücke aus Richtung Wimmelburg (Foto Sauerzapfe 2018)
Historische Aufnahme der Millionenbrücke im Hintergrund die Krughütte (Archiv Hammann)

(Letzte Aktualisierung Februar 2019)

Weitere Informationen

  • Standortbeschreibung:

    Das Brückenbauwerk ("Millionenbrücke") ist das letzt erhaltene Relikt der Anschlussbahn Eisleben. Es überspannt die Straße von Eisleben nach Wimmelburg in Höhe der ehemaligen Krughütte.

  • Geodaten:
    51°31'23.8"N 11°31'08.9"E
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