[055] Bergbaudenkmal "Seilscheibe" in Eisleben

    Zahlen und Fakten

    In 800 Jahren wurden im Revier insgesamt ca. 110 Millionen Tonnen Kupferschiefer gefördert und daraus 2,6 Millionen Tonnen Kupfer sowie 15.000 Tonnen Silber ausgebracht, außerdem ab

    • 1856 Nickel bis zu 300 t/Jahr
    • 1858 Schwefel als Schwefelsäure bis zu 40.000 t/Jahr
    • 1864 Selen bis zu 25 t/Jahr
    • 1878 Gold bis zu 30 kg/Jahr
    • 1887 Blei bis zu 4000 t/Jahr
    • 1907 Zink als Oxide und Salze bis zu 5000 t Zinkinhalt/Jahr
    • 1910 Molybdän bis zu 50 t/Jahr
    • 1928 Platin und Palladium
    • 1941 Vanadium als Oxid bis 100 t/Jahr
    • 1959 Germanium aus den Zwischenprodukten der Blei-Zink-Staub-Verarbeitung und Antimon, Arsen, Cadmium Gallium, Kobalt, Jod und Thallium aus verschiedenen Zwischenprodukten

    Die geförderte Erzmenge von ca. 110 Millionen Tonnen ergäbe eine Mauer rund um den Erdball mit einem Querschnitt von 1m²

    Das in dieser Zeit produzierte Kupfer, 2,6 Mill. Tonnen, entspräche einem Kupferring rund um den Erdball mit einem Durchmesser von 9,6 cm.

    Das in dieser Zeit produzierte Silber, 15.000 Tonnen, entspräche einem Silberring rund um den Erdball mit einem Durchmesser von 6,7 mm.

     

    Das Senkungsgebiet Siebenhitze

    Vom ehemaligen Standort des Bergbaudenkmals im Bereich Siebenhitze war u.a. die Sicht auf den Wolf-Schacht (Fortschrittschacht), den Vitzthum-Schacht (Thälmannschacht), auf die Bergmannskirche St. Annen und andere Kirchen und wichtige Gebäude der Stadt möglich.

    Der alte Standort erinnerte aber auch an das Senkungsgebiet Siebenhitze: Der Kupferschieferbergbau in der Mansfelder Mulde hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit bedeutenden Wassereinbrüchen zu kämpfen. Ein schwerer Gebirgsschlag in der Lutherstadt Eisleben leitete Oberflächensenkungen ein, die im Bereich Rammberg und Rammtorstraße in der Messzeit vom 9. April 1894 bis 23. Oktober 1896 bereits mehr als 3 m und 10 Jahre später etwa 4 m erreichten. 

    In der Folgezeit beschäftigten sich bis zur Flutung der Grubenbaue namhafte Autoren mit Messungen und Bewertungen der Auslaugungs- und Senkungserscheinungen. Zwischen 1892 und 1894 versanken etwa 75 Millionen m³ Wasser des Salzigen Sees (einschließlich seiner ständigen Zuflüsse) durch einen Erdfall bei Röblingen im Untergrund. Der etwa 800 ha große See wurde nahezu trocken gelegt.

    Auf dem über 13 km langen Wanderweg bis zu den Grubenbauen der Schächte löste das Wasser schätzungsweise 10 Millionen Tonnen Steinsalz.

    Große Pumpenanlagen, beispielsweise auf dem Ernst-Schacht bei Helbra, dem Hohenthal- und dem Niewandt-Schacht, ermöglichten, dass in den folgenden Jahren die Abbaue zugänglich blieben und der Abbau des Erzes auch unterhalb der 4. Tiefbausohle bis zur Erschöpfung der bauwürdigen Erzvorräte weitergeführt werden konnte.

    Vom Oberflächenwasser gespeistes Grundwasser drang zum Zeitpunkt der Abbautätigkeit bis zum Niveau der Salzhorizonte vor, löste Steinsalz und musste als ständiger Zufluss aus den Grubenbauen abgepumpt werden, um den Produktionsbetrieb zu sichern.

    Für die Wasserabführung standen der Froschmühlenstollen und der 1879 fertig gestellte Mansfelder Schlüsselstollen zur Verfügung. Mit dem Froschmühlenstollen wurden vom westlichen Muldenrand nicht mit Salz belastete Wasser gesammelt. Ein hoher Prozentsatz dieses Wassers wurde über längere Zeiträume als Trink- und Brauchwasser genutzt. Der verbleibende Rest wurde in den Süßen See abgeführt. Der Mansfelder Schlüsselstollen führte mit den normalen Süßwasserzuflüssen im Einzugsgebiet vorrangig die mit Pumpstationen zugeführten Grubenwasser über Friedeburg in die Saale ab.

    Je nach den Bedingungen des Deckgebirges wirkte sich der durch Auslaugungen verursachte Substanzverlust an der Erdoberfläche in bruchlosen großflächigen Senkungen, dem Aufreißen von Spalten oder plötzlichen Erdfällen aus.

    Neben den sehr beachtlichen permanenten Wasserzuflüssen konnten auch die letzten plötzlichen Wasserdurchbrüche 1952 und 1958 und ihre Folgen mit erheblichen Aufwand bewältigt werden.

    Bedeutende Senkungsgebiete entstanden 1953 u. a. in Erdeborn, Helfta, Rollsdorf, Volkstedt und auch im Stadtgebiet Eisleben.

    Nach der Flutung der Grubenbaue wurden kurzzeitig verstärkte Senkungen erwartet. Diese traten ab Februar 1975 u .a. im Bereich Siebenhitze/Koenigstraße zunächst allmählich, dann aber deutlich zunehmend auf. In den folgenden zehn Jahren wurden im Bereich Siebenhitze Gesamtsenkungen von etwa 2,8 m gemessen. Die Beanspruchung der Tagesoberfläche führte zu erheblichen Schäden an der Wohnbausubstanz.

    Um Gefährdungen abzuwenden, wurden in den folgenden Jahren bis auf wenige Ausnahmen die Wohngebäude im Bereich der Vorderen und Hinteren Siebenhitze abgebrochen und das Gelände anschließend saniert. Inzwischen sind im Stadtbereich und im Umfeld Gefährdungen durch solche großflächige Senkungserscheinungen nicht mehr zu erwarten.

    Für weitere Informationen zum Denkmal siehe hier: Das Bergbaudenkmal Seilscheibe


    Weitere Informationen

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